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Nachruf auf einen Genossen und Freund

Der Ortsvorstand Neuenhagen der Linken hatte mich um einen Nachruf auf Günter Schippel gebeten. Das habe ich zunächst abgelehnt, da ich der Auffassung war, Günter als Freund zu nahe gewesen zu sein, um einen Nachruf als Genosse schreiben zu können.

Nachdem ich aber Günters Seebestattung (Die Idee stammte aus einer gemeinsamen Seeangeltour vor ca. 15 Jahren.) miterlebte und am Tag der Bestattung eine „Anzeige in der Zeitung“ (Impulse)+MOZ fand, die seiner Persönlichkeit und seinem Wirken für unsere Partei nur ansatzweise gerecht wurde, schien es mir doch sinnvoll, dieser Bitte zu folgen.

1927 geboren erlebte Günter Schippel Aufkommen und Zusammenbruch des Faschismus, aber sein Elternhaus, vor allem der Vater, gaben ihm eine linke „Grundausstattung“ mit, so dass es einerseits die Erfahrung von Krieg und Faschismus, anderseits die Haltung des kommunistischen Elternhauses waren, die ihn prägten. Nach Verwundung und Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, stand Bildung ganz vorn, denn es ging nun um eine neue Gesellschaft. Aus dieser Zeit stammten seine Gesinnung und Gesittung. Unpolitisch war für ihn nichts.

Aus dieser Zeit stammte auch seine Liebe zur Musik. Die Erinnerung an den ersten Auftritt des Alexandrov-Ensemble 1948 auf dem Gendarmenmarkt (wie auch für meinen Vater), der ihn nachhaltig beeindruckt hatte, gehörte dazu, aber auch seine Liebe zur Kunst, zu Oper und klassischer Musik und zum Buch. Das waren nicht nur Fachbücher, er las, was interessant war, seine Vorlesungen waren voller literarischer Zitate, ein von ihm verfasstes Staatsbürgerkundelehrbuch begann mit Bildern von Hieronymus Bosch, um an den frühchristlichen Motiven zu belegen, wie alt der Traum von einer gerechten Welt ist und dass er von den Urchristen ebenso geträumt wurde wie von Kommunisten.

Mit dieser politischen Prägung war die antifaschistisch-sozialistische DDR genau der richtige Ort für eigenes Engagement. Wie Hermann Kant und viele andere kam er über Arbeiter- und Bauern-Fakultät zum Studium und als Studienfach wählte er Volkswirtschaftslehre, Politische Ökonomie, immer in dem Streben, das Grundlegende zu begreifen!

Nach dem Studium war die Akademie für Staat und Recht in Potsdam Babelsberg die erste Arbeitsstelle, wo er als junger Mann gleich Dekan werden musste. Die junge DDR wollte „ihre Kader“ etablieren, die alten Professoren sahen ihm nichts nach. Tätigkeiten im Finanzministerium und im Außenhandel der DDR folgten, er wurde Leiter der DDR-Handelsvertretung in Schweden, Direktor der Fachhochschule für Außenhandel, dann die Entscheidung ,,noch einmal nach- und aufzuholen“, wieder wissenschaftlich zu arbeiten, also die Rückkehr an die Universität zur Promotion, danach als Hochschullehrer, immer mit dem Anspruch, auf marxistischer Grundlage für sich und andere, hier vor allem junge Menschen, zu klären, „was die Welt im Innersten zusammenhält“.

Seit Ende der siebziger Jahre verlor er zunehmend seine politische Zuversicht. Als die Gruppierung „Demokratie jetzt“ ihn bat, ihr Berater in Wirtschaftsfragen zu werden, sagte er zu. Herbst/Winter 89/90 war eine Zeit neuen Engagements und machte ihm den unfreiwilligen Abschied von der Humboldt-Universität leichter.

Die PDS in der Garnisonsstadt Strausberg bekam den denkbar un-militärischsten Kreisvorsitzenden. Er knüpfte Beziehungen zu Pfarrer Riebesel und zur Bundeswehr, bereitete maßgeblich die erste SPD-PDS-Kooperation vor; leider fand sein politischer Weitblick bei seinen Nachfolgern im Amt keine Fortsetzung.

Aus allen Beileidsbekundungen aus dem politischen Raum spricht eine ungeheure Wertschätzung und Anerkennung; zum 80. Geburtstag bescheinigte ihm der aus Niedersachsen eingewanderte Sparkassenvorstand, er sei mit Abstand der netteste Linke, den er je kennengelernt habe, eine Einschätzung, die auch viele Mitarbeiter der Sparkasse MOL teilten, wo er als Mitglied des Verwaltungsrates und der Stiftung hohe Wertschätzung genoss.

Mit ihm habe ich aber auch immer wieder den schmählichen Untergang dieser – seiner (und meiner) – DDR diskutiert.

Günter habe ich in den Wendezeiten kennen und zunehmend auch schätzen gelernt. Als Genosse hat er mir und unserer damaligen Fraktion immer die kommunale Sicht

unserer Probleme in übergeordnete Zusammenhänge zu stellen versucht, was zu vielen, z.T. kontroversen aber immer konstruktiven Diskussionen und Lösungsansätzen führte.

In diesen Jahren wuchs auch unsere Freundschaft, die reich an schönen gemeinsamen Erlebnissen war und bis an sein Lebensende dauerte.

Danke, Günter, für diese Freundschaft.

Detlef Militz

Herzlich Willkommen beim Ortsverband Neuenhagen und bei der Fraktion DIE LINKE in der Gemeindevertretung Neuenhagen.

 

 

 

Trauer um den Verlust von Dr. Arno Gassmann

Der Ortsvorstand der LINKEN sowie die Fraktion in der Gemeindevertretung müssen von Dr. Arno Gassmann Abschied nehmen. Plötzlich und unerwartet ist er am 16.07.2019 im Alter von nur 51 Jahren verstorben.

Dr. Arno Gassmann war Vorsitzender des Ortsvorstandes und seit Herbst 2018 auch Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE in der Gemeindevertretung der Gemeinde Neuenhagen bei Berlin. In diesem Rahmen und darüber hinaus, u.a. als Mitglied des Kreistages Märkisch-Oderland, genoss er ein hohes Ansehen. Er war ein geschätzter Gesprächspartner und Mitstreiter, vor allem für die Entwicklung und Sicherung der kulturellen Angebote in der Region. Mit großem Sachverstand engagierte er sich in den vergangenen Jahren in besonderer Weise für die nachhaltige Sicherung der Kreismusikschule. 

Dr. Arno Gassmann wurde 1968 in Karlsruhe geboren; an der dortigen Universität sowie in Nottingham studierte er später Literaturwissenschaften, Soziologie und Philosophie. Der Literatur blieb er treu: 2001 promovierte er zur Prager deutschen Literatur und seine hervorragende Kenntnis der Literatur von Franz Kafka beeindruckte bis zuletzt manchen Gesprächspartner. 2001 ging er an das Kleist-Museum nach Frankfurt/Oder, um dort als Wissenschaftlicher Leiter zu wirken. In dieser Zeit verlegte er seinen Wohnsitz nach Neuenhagen. Seit 2012 war Dr. Arno Gassmann in der Bertolt-Brecht-Gesellschaft aktiv, bis zum Schluss engagierte er sich hier als 1. Vorstand. Noch mehr war er freier Autor und Publizist, seine Beiträge – u.a. für die „Ansichten – Aussichten“, dem regelmäßigen Informationsblatt der Neuenhagener LINKEN – wurden gern gelesen. Sie waren geprägt von einem klaren Stil und durchzogen von einem leisen, zurückhaltenden Humor, der die Leser zum Nachdenken brachte. 

Seine politische Arbeit – im Ortsverband der LINKEN, in der Gemeindevertretung und im Kreistag – war gekennzeichnet von einem sachlichen Auftreten und von dem Vermögen, auch einmal einen Schritt zurücktreten zu können. Seine konzentrierte Leitung des Kultur- und Sozialausschusses zeigte dieses eindrucksvoll. Für ihn gab es keine Politik ohne Kompromisse, mit Ausnahme von Demokratie und Achtung der Menschenwürde. Beide waren für ihn nicht verhandelbar. 

In der Fraktionsarbeit war ihm wichtig, dass die Expertise der einzelnen Fraktionsmitglieder sichtbar wird und eine Einbindung aller Beteiligten erreicht wird. 

Jenseits von Politik und Literatur galt sein Interesse dem digitalen Spiel. Sah man ihn durch Neuenhagen wandern, war er häufig auf der Suche nach den virtuellen Fantasiewesen aus „Pokémon Go“. Auf dieser Basis kam er mit vielen ins Gespräch und – wenn die Fraktion zur Beratung im Fraktionsraum saß – wusste er auch die Spaziergänge ganzer Familien am Rathaus einzuschätzen. 

Nun müssen wir uns verabschieden. Die Lücke, die Arno hinterlässt, ist groß. Sie wird auch nicht vollständig zu schließen sein. Vielleicht muss sie das auch gar nicht. Aus den Begegnungen mit ihm, aus der Zusammenarbeit und aus dem gemeinsamen Gestalten in Neuenhagen und darüber hinaus nehmen wir viel mit. 

Arno hätte wahrscheinlich nichts dagegen, wenn wir ab sofort alles ganz anders machen würden. Hauptsache wir würden es aus vollstem Herzen, mit größter Leidenschaft, immer mit etwas Humor und vor allem sozialer Überzeugung tun. Wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet. Und dazu, mit noch mehr Engagement weiterzumachen.

Danke, Arno!

"Die Wölfe sind zurück" - gelungene Aktion vor der Kommunalwahl

Was noch zum Fest für Demokratie und Toleranz am 01.September 2018 unmöglich war, wurde am 25. Mai 2019, am Tag vor den Kommunalwahlen und Europawahl, nun umgesetzt. Die Gemeindevertretung hatte den Bürgermeister beauftragt, die Ausstellung von Rainer Opolka "Die Wölfe sind zurück" nach Neuenhagen zu holen. Einen hervorragenden Anlass bot der "Lauf gegen Rassimus und Courage" am Einstein Gymnasium Neuenhagen, der in diesem Jahr übrigens bereits zum 13. Mal durchgeführt wurde. Die Wölfe (drei auf dem Schulhof des EGN, inmitten eines großen Festes, und ein weiterer direkt vor dem Rathaus) boten jedenfalls genügend Gesprächsanlässe - auch mit dem Künstler Rainer Opolka, der vom Engagement der Schule sichtlich beeindruckt war.

Am Abend zuvor war Heinz Ratz mit "Strom & Wasser" zu Gast im Bürgerhaus. Seine Initiative "Eine Million gegen rechts" wurde von einer Bürgerin an den Bürgermeister herangetragen, der diese aufgriff und gemeinsam mit der Gemeindevertretung für ein Konzert im Bürgerhaus sorgte. Die in diesem Rahmen eingeworbenen Spenden gehen an gemeinnützige Initiativen für Toleranz und Demokratie.