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Dank euch ihr Sowjetsoldaten

 

Am 8. Mai nahmen Vertreter von Ortsvorstand und Fraktion der Partei DIE LINKE und weitere  Bürger aus Neuenhagen an einer Gedenkveranstaltung anlässlich des 75. Jahrestages

der Befreiung vom Faschismus am sowjetischen Ehrenmal auf dem Marktplatz von Altlandsberg teil.

Nach ehrenden Worten durch den Altlandsberger Bürgermeister legten wir gemeinsam mit Teilnehmern aus umliegenden Gemeinden an den Gedenksteinen Blumen nieder.

 

Gert Grüner

 

Gedanken zum 75. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus

Von Thomas Raeck

Dieses historische Datum des 8./9.Mai 2020, der 75. Jahrestag  der Befreiung vom Hitlerfaschismus und des Endes des 2. Weltkriegs in Europa, wird in der deutschen Öffentlichkeit breit gewürdigt. Hinzukommen die bereits seit Jahresbeginn stattfindende Gedenken an  Ereignisse von 1945, ob die Befreiung aus den verschiedensten Konzentrations- und Vernichtungslagern wie Auschwitz, Buchenwald, Sachsenhausen, Ravensbrück, die Todesmärsche der Häftlinge, die letzte große Schlacht in und um die Seelower Höhen, die den  Sturm der Roten Armee auf Berlin einleitete. All das erfolgt  in unterschiedlichem Maße, mit unterschiedlichem Tenor und zum Leidwesen vieler sehr eingeschränkt durch die Corona-Krise. Dabei kommen für einen ostdeutschen Bürger, der die Tradition des Gedenkens in der DDR kennt, zumeist aus sowjetischer Sicht,  so manche erstaunliche Deutungen, Töne und Nuancen zum Vorschein. Sie stellen streckenweise die spezifischen Grausamkeiten des Krieges, die alle Teilnehmer erleiden und gleichzeitig verüben, in den Vordergrund. Ohne die wahnwitzigen Eroberungspläne des Nazi-Regimes und den begonnenen Krieg wären auch die Leiden und Opfer der Deutschen im Ausgang des Krieges, darunter Flucht und Vertreibung oder Zerstörung zahlreicher Städte durch alliierte Luftangriffe, nicht eingetreten. Wobei die Deutschen nur zum Teil das erleiden mussten, was sie zuvor selbst in anderen Ländern verübten.

Bei meinen zahlreichen Aufenthalten in der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten und durch das Befassen mit der Geschichte der Außenpolitik am Vorabend und zum Ausgang des 2. Welt-, bzw. des Großen Vaterländischen Krieges, erfuhr ich mit großer Erschütterung wie die geplante Eroberung des Lebensraums für das deutsche Volk im Osten vonstattenging. Diese kriegerische Eroberungspolitik, die bereits in Hitlers Agenda „Mein Kampf“ angekündigt wurde, also für jedermann im Deutschen Reich und weltweit vorherzusehen war, wurde von Anbeginn an mit unzähligen Verbrechen bei der Kriegführung  von der Wehrmacht und aller anderen am Besatzungsregime beteiligten militärischen und zivilen Kräfte durchgeführt .  Gemäß der aberwitzigen Rassenpolitik der Nazis waren die slawischen Völker als minderwertig eingestuft, dazu auserkoren, dezimiert oder nach Asien umgesiedelt zu werden. Der übrig bleibende Teil sollte versklavt werden, indem er Zwangsarbeit für die deutsche Herrenrasse zu leisten hatte, die außerdem dabei war, die Ressourcen der eroberten Gebiete für sich auszubeuten.

Es gibt zahllose Beispiele des barbarischen Vorgehens der deutschen Faschisten, ihrer Verbündeten und aller Anhänger und Mitläufer des vorher als Kulturnation geachteten deutschen Volkes. Symbolträchtig für die einzigartigen Verbrechen steht neben der Vernichtung der zahlreichen Juden im eroberten Lebensraum im Osten unter Mithilfe lokaler Handlanger,  die Vernichtung von 3,3 Millionen Kriegsgefangenen, der Versuch der Auslöschung der historisch und kulturell bedeutsamen Metropole Leningrad und die grausame Blockade der Millionenstadt mit über 1 Million Toten. Eingeschlossen ist auch die Vernichtung vieler Denkmäler der russischen und sowjetischen Kultur und Geschichte. Die Zeugnisse der Vergangenheit des ehemaligen russischen Reiches und der Sowjetunion sollten komplett getilgt werden, sofern sie nicht der neuen Weltordnung des 3. Reiches dienen konnten. Diese Art des Krieges wurde nur in Osteuropa geführt, bei den Eroberungen in anderen Teilen Europas gingen die Faschisten vergleichsweise „human“ vor. Noch gesteigert wurden die Verbrechen bei dem durch die Rote Armee erzwungenen Rückzug, als die Wehrmacht die Methode der „ verbrannten Erde“ anwendete, indem sie alles für die zurückbleibende Bevölkerung Lebensnotwendige vernichtete. Genannt werden soll auch die beispiellose Bestrafung der Zivilbevölkerung wegen Aktivitäten von Partisanen. Wurden in den übrigen besetzten europäischen Ländern nur in Einzelfällen Dörfer dem Erdboden gleichgemacht, so waren es allein in Weißrussland 628!!

Und wenn man sich Angaben zur Anzahl der durch Nazi-Deutschland eingesetzten und durch die Rote Armee vernichteten Truppen und des dazu gehörigen Materials an der Ostfront anschaut und dabei berücksichtigt, dass die westlichen Verbündeten die Sowjetunion erst im Juni 1944 mit den aktiven Kampfhandlungen mit der Eröffnung der seit 1942 zugesagten 2.Front in Westeuropa spürbar entlastete, so lässt sich nicht leugnen, dass die Sowjetunion die Hauptlast des Krieges und der Befreiung Europas von den faschistischen Verbrechern trug. Sie leistete mit 27 Millionen Toten auch den höchsten Blutzoll aller am 2. Weltkrieg beteiligten Länder. Im europäischen Teil des Landes gab es keine Familie, die nicht den Verlust von nahen Angehörigen und ihres Habe und Guts zu beklagen hätte.

Da ist es nicht verwunderlich, dass das Gedenken an all die Opfer und die großen Anstrengungen zur Befreiung des eigenen Landes wie auch anderer europäischer Völker stark entwickelt ist. Zugleich  wird in Russland sensibel auf das Verhalten der Partner in der Anti-Hitler-Koalition wie auch der ehemaligen Feinde zu besonderen Jahrestagen, wie jetzt dem 75.Jahrestag der Befreiung, reagiert und darauf geachtet, wie der Leistungen der Völker der Sowjetunion, aber auch Polens und der Alliierten insgesamt gewürdigt werden.

Leider bestimmt die Bewertung der aktuellen Politik Russlands das Herangehen und die Gestaltung des Gedenkens an den 75.Jahrestag der Befreiung von Seiten der Bundesregierung,  ihrer NATO-Verbündeten und selbst einiger von der Roten Armee befreiter Länder Osteuropas. Dabei kommt es mitunter zu grotesken Verdrehungen, Umdeutungen und Verfälschungen der historischen Fakten, die nur beschämend sind und gleichzeitig Protest hervorrufen. Auch hier wieder symptomatisch für die aktuelle Politik und die praktische Umsetzung, dass der Bundesrepublik und ihrer NATO-Verbündeten nichts Besseres zum 75. Jahrestag der Befreiung und des Endes des 2.Weltkrieges in Europa einfällt, als das größte, bisher je abgehaltene NATO-Manöver an den Grenzen Russlands zu planen und abhalten zu wollen. Von Planungen zu einer Teilnahme an offiziellen Gedenkfeiern Russlands hingegen wurde nichts bekannt, wohingegen im vergangenen Jahr allein die Eröffnung der 2. Front in der Normandie 1944 pompös unter  Beteiligung von zahlreichen Staats-, und Regierungschefs begangen wurde. 

Man kann dem Corona-Virus nur dankbar sein, dass es die Abhaltung der NATO-Manöver verhinderte, allerdings ist zu bedauern, dass die Corona-Krise nun alle Veranstaltungen zur Würdigung und zum Gedenken an und zu diesem  75.Jahrestag der Befreiung Deutschlands von der verbrecherischen Nazi-Herrschaft weitgehend einschränkt und behindert. Es bleibt jedoch Aufgabe für die Zivilgesellschaft und für jeden Bürger unseres Landes, individuell oder in kleinen Gruppen mit dem nötigen Abstand zwischen den Personen seine persönliche Würdigung zum 75. Jahrestag der Befreiung an den zahlreichen Orten des Gedenkens zum Ausdruck zu bringen. So werden ich und andere Mitglieder des Ortsvorstandes der Linken Neuenhagens am 8.Mai 2020 Blumen am Denkmal für gefallene Sowjetsoldaten in Altlandsberg niederlegen und eine Schweigeminute verbringen.

 

                                                                        

Fortunato

Wir empfehlen Euch die Lektüre  von " Das kurze Gedächtnis - Wie es wurde, was es ist - Splitter aus der deutschen Nachkriegsgeschichte" Gedanken von Kerstin Kaiser, Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau

Hier findet ihr die Impulse 4/2020

Viel Spaß beim Lesen