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Worum es eigentlich geht ... Auch um Straßennamen ?

In der Lokalpresse erscheinen derzeit Beiträge und Leserbriefe. Wochenendzeitungen werden zur Diskussionsplattform. E-Mails machen die Runde und Handzettel werden in ohnehin verstopfte Briefkästen gesteckt. In zwei Fällen geht es nicht um leichtgewichtige Autoren. Es sind keine Mandatsträger in Gemeinde und Kreis.

Man gewinnt den Eindruck, dass die Entwicklung von Kommunen in ernster Gefahr ist, weil einige ihrer Straßen den Namen eines im KZ Buchenwald auf Befehl Hitlers ermordeten Antifaschisten tragen. Es läge an den Bürgern, dieses zu dulden. Sie, wie die Gemeindevertretungen, mögen aus „ihrem sozialistischen Tiefschlaf erwachen“ und endlich richtige Kommunalpolitik betreiben.

Andere sehen eine akute Gefährdung durch die, ob der Straßenschilder, erzeugte Irritation der Kraftfahrer. Außerdem hätte der Namenspatron keinen direkten Bezug zur betroffenen Kommune. Man ahnt es schon, es geht um die Thälmann-Straßen, all überall auf dem ehemaligen Staatsgebiet der DDR. Wann, so fragt man sich, sind Rosa und Rudolf dran, aus dem Ortsbild zu verschwinden? Wann Heinrich von Kleist? Gibt es wirklich keinen höheren Gedanken von Gemeinwesen als die Kommune?

Breitscheid kam an selber Stelle wie Thälmann ums Leben. Dazu auch die Aussage, dass Thälmann nach dem „verfassungs-gebenden Prozess als Verfassungsfeind klassifiziert“ wäre.

So postuliert sich die Front der Akteure, so gibt sie sich Gesicht. Einig ist man in Meinung und Ziel, doch der Grad der Raffinesse variiert, ganz nach Intellekt und Geschmack. So wird ein der Linken sehr nahe stehender hochgeschätzter Bürger als würdiger Ersatz für die Straßenbeschilderung vorgeschlagen. Wer sollte da ernstlich widersprechen? So ist doch jedem elegant ein Maulkorb angelegt, jeder muss zufrieden sein.

Ja, gleiche Brüder, gleiche Kappen! Entsorgung von Geschichte im Stile der Inquisition.

Im untergegangenen Staat war der Antifaschismus nur per Gesetz möglich. Also nur eine neue Form der Rote-Socken-Kampagne? Nein. Es ist mehr.

Er sei Prof. Dr. Hermann Weber angeführt, dessen Meinung ein nicht einfaches Spannungsfeld aufzeigt. Prof. Dr. Michael Schumann wäre zu benennen, der die Absage an den Stalinismus als Voraussetzung für die Existenz der PDS begründete.

„Die einen wollen am liebgewordenen Bild des heroischen antifaschistischen Widerstandskämpfers nicht kratzen lassen. Andere meinen, mit dem Wissen über die kommunistische Diktatur in der DDR, jeder Kommunist - selbst wenn er ein Opfer des Hitler-Regimes geworden war - sei von vornherein ein politischer Lump.

Diese Schwarzmalerei hat mit der tatsächlichen Rolle Thälmanns und der deutschen Kommunisten in der Weimarer Republik sowie ihrem Kampf wenig zu tun. Thälmann und die deutschen Kommunisten spielten vor 1933 eine widersprüchliche Rolle, doch sie waren keine politischen Rabauken, die die Arbeiterschaft aufwiegelten und der späteren SED-Diktatur den Weg bahnten …“

Wir stehen auf keiner der beiden Seiten. Wir achten einen mutigen Antifaschisten bei allen ernsten Widersprüchen jener Zeit. Thomas Mann könnte auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts die bekannten Worte von den großen Torheiten sagen:

„Der Antikommunismus ist die Grundtorheit unseres Jahrhunderts.“


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Lektüretipp

Wir empfehlen Euch die Lektüre  von " Das kurze Gedächtnis - Wie es wurde, was es ist - Splitter aus der deutschen Nachkriegsgeschichte" Gedanken von Kerstin Kaiser, Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau www.dielinke-neuenhagen.de/fileadmin/neuenhagen/Gedaechtnis.pdf