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Sven Kindervater

Von Gerüchten und Gedenksteinen

Heute morgen wirbelte es mal wieder durch unseren Ort: Grabplatten der Kriegsgräberstätte fehlten. Der Bürgermeister beruhigte dann schnell: Instandhaltung statt vermuteter Schändung. Natürlich könnte die Nachricht jetzt hier zu Ende sein. Aber das durfte sie natürlich nicht.

Heute morgen wirbelte es mal wieder durch unseren Ort: Grabplatten der Kriegsgräberstätte fehlten. Schnell wurden Leute mit Kontakten zum Rathaus gesucht, Empörung machte sich breit. Der Bürgermeister beruhigte dann schnell wieder die Gemüter: Die Grabplatten hatten wohl Fehler in der Schrift und wurden zum Steinmetz gebracht. Instandhaltung statt vermuteter Schändung.

 

Natürlich könnte die Nachricht jetzt hier zu Ende sein. Aber das durfte sie natürlich nicht. Denn noch schneller als eine Anruf beim Bürgermeister war mal wieder die Gerüchteküche: Das waren bestimmt Linke, hieß es. Die haben was dagegen, dass da eine Nazifamilie auf der Platte steht. Dazu möchte ich folgendes klarstellen:

 

Es stimmt, dass es uns LINKEN nicht an Hinweisen, Ideen und Kritik mangelt und dass wir sowohl austeilen als auch einstecken können. Es nervt aber, wenn man sich dann noch mit Dingen beschäftigen muss, mit denen man nichts zu tun hat.

 

Wir haben damals protestiert, dass eine Familie eines einflussreichen Nazis auf einer Grabplatte erscheinen sollte, da diese den Schriftzug führen sollte „Zum Gedenken an die Opfer des Faschismus“. Auch wenn es Auffassung der übernommenen Rechtsordnung der BRD von 1956 ist, auch Nazis als Opfer zu führen, wollten wir das so nicht stehen lassen. Es war dann Herr Güßfeldt, der Vorschlug, auf den Stein stattdessen „Die Toten mahnen uns“ zu schreiben. Wir schlossen uns dem gerne an. Wir stimmten der Kriegsgräberstätte zu.

 

Bei der Einweihung der Stätte gingen der damalige Vorsitzende der Gemeindevertretung Joachim Werner (LINKE) gemeinsam mit dem Herrn Bürgermeister zur Kranzniederlegung. Auch ich ging gemeinsam mit Frau Kortkamp an die Stätte. Wir haben allen Toten gedacht, eben weil uns alle Toten mahnen. Ganz davon abgesehen, dass DIE LINKE in Neuenhagen noch jeden Beschluss der Gemeinde vertreten hat, selbst wenn es mal nicht nach ihrer Auffassung ging. Wir sind Demokraten und handeln demokratisch.

 

Erschreckend ist dann, dass alles Tun bei manchen nicht dazu reicht, dass sie ihr liebgewonnenes Weltbild vom bösen Kommunisten ablegen. Es gibt deutschlandweit keine einzige Kriegsgräberstätte, welche von Linken oder selbst sich nur links Schimpfenden geschändet wurde. Vorfälle von Schändungen von Rechts sind dagegen hunderte zu finden. Aber so lässt man sich eben von der verfehlten Extremismustheorie blenden. Man sollte mal zur Kenntnis geben, dass in der gesamten (!) Politikwissenschaft, also nicht nur etwa in der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Begriff des „Linksextremismus“ als nicht definierbar abgelehnt wird. Der Versuch, durch Begriffsähnlichkeit gleichzusetzen, was Gegensätzlicher nicht sein könnte, scheint bei zu vielen, die es unbedingt glauben wollen, zu leicht zu verfangen.

 

Es ist erschütternd, dass in Tagen des NSU-Terrors, der Finanzkrise, des NSA-Skandals und der Kriege in der Welt immer noch lieber geguckt wird, ob nicht die Linken an allem Übel schuld sein könnten. Es ist beschämend, wenn die sächsische CDU sagt, sie habe keine Bedenken bei Pegida, aber die Linksfraktion im sächsischen Landtag sei die eigentliche Gefahr für die Demokratie. Schon ein Blick in die Stimmung im Nachbardorf Hoppegarten bezüglich des Flüchtlingsheimes sollte doch Grund genug sein, sich mal ausnahmsweise mit dem zu beschäftigen, was tatsächlich der vollen Kritik bedarf.

 

Sven Kindervater

Fraktionsvorsitzender

Fraktion DIE LINKE in der Gemeindevertretung Neuenhagen bei Berlin


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Lektüretipp

Wir empfehlen Euch die Lektüre  von " Das kurze Gedächtnis - Wie es wurde, was es ist - Splitter aus der deutschen Nachkriegsgeschichte" Gedanken von Kerstin Kaiser, Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau www.dielinke-neuenhagen.de/fileadmin/neuenhagen/Gedaechtnis.pdf