Replik zum Beitrag "Geschenke erhalten die Freundschaft"
Sehr geehrter Herr Dr. Gassmann,
wie Sie richtig feststellen, sollte den Kindern das Verhalten der Eltern nicht
vorgeworfen werden.
Alles bis zu dieser Textpassage ist thematisch für Ihr Anliegen nicht hilfreich und hier völlig falsch.
Was die Spendenpraxis betrifft ist auch Ihre Partei nicht die moralisch saubere, wie Sie hier klar zu machen versuchen. Zwar hat die Linkspartei keine größeren Spenden aus der Industrie in den letzten Jahren erhalten, aber sie verhält sich wie die Industrie und sponsort großzügig Bürgerbewegungen (z.Bsp.Occupy) um sie politisch auszunutzen.
Der Geber ist genauso moralisch bedenklich wie der Nehmer, wenn ich Ihren Artikel richtig verstanden habe.
Aber es nur auf eine politische Partei zu beziehen, erinnert sei an das Verhalten vieler ehemaliger SPD-Minister usw., ist oberflächlich und eigentlich niveaulos.
Es ist zu flach um wirklich ernst genommen zu werden.
MfG
A.Kuck
Sehr geehrter Herr Kuck,
zunächst haben Sie vielen Dank, dass Sie die Website der Linken besuchen und auch meine Beiträge beachten.
Ich muss gestehen, dass ich aus Ihrer Reaktion herauslesen muss, dass meine Intention offensichtlich von mir schlecht umgesetzt ist. Ich stimme Ihnen in vielen Punkten bei Ihrem Kommentar zu, wenngleich ich "oberflächlich" und "niveaulos" als Attribute selbstredend nicht anerkenne.
Allein, wollte ich weder der Linken das Mäntelchen des einzig politischen Saubermannes umhängen, noch grundlegende Mechanismen des politischen Geschäfts unserer Tage in Abrede stellen. Ganz im Gegenteil bilde ich mir ein, die Kanzlerin ausdrücklich nicht der Käuflichkeit bezichtigt zu haben.
Dass auch die Linke versucht politischen Einfluss über Interessengruppen zu nehmen, ist umbenommen, wenngleich es mir - persönlich - angemessener erscheint Bürgerbewegungen zu unterstützen, als sich von Großindustriellen unterstützen zu lassen. Politische Parteiarbeit sollte sich mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln an die Bürger richten und sie natürlich von den eigenen Inhalten überzeugen wollen. Dies ist die Aufgabe von Parteien und scheint mir von der Linke moralisch legitim umgesetzt zu werden. Warum nicht Bürger unterstützen, deren Werte man teilt? Ich kann darin kein "Ausnutzen" erkennen. Größere Geldmengen von Dritten zu nehmen, die dann die politische Ausrichtung einer Partei beeinflussen könnten, scheint mir da bedeutend gefährlicher, zumal, wenn ich auch dieses Gebahren mit Ihrem Terminus "ausnutzen" unterlege. In diesem Zusammenhang bekommt er einen gefährlichen Unterton.
Doch der Punkt in meinem Artikel war im Kern folgender: Offensichtlich haben sich zwischen Spitzenpolitik und - um den angestaubten Begriff zu benutzen - Kapital die Machtverhältnisse oder zumindest die Dominanz der Beeinflussung verschoben. Es ist nicht mehr an der Spitzenpolitik Vorgaben zu machen, sondern die Kapitalgeber agieren, ohne Rücksicht auf die Spitzenpolitiker. Dies stellt für mich einen bedeutenden Wertewechsel dar, auf dessen Grundlage sich Politik im allgemeinen fragen muss, in wie weit sie tatsächlich noch in der Lage ist, ihrem Lenkungs- und Führungsanspruch in einem Staatsgebilde wie Deutschland zu genügen und diesen durchzusetzen. Offensichtlich ist es immerhin schon so weit, dass Geldgeber, mit einer Bonität der Familie Quandt, sich nicht mehr befleißigt fühlen, die Versuche ihrer Einflußnahme auch nur einem Minimum von Diskretion zu unterwerfen. Im Gegenteil, ihre Zuwendungen, zwischenzeitlich auch an die F.D.P., erfolgen in einer Selbstherrlichkeit, dass die Frage erlaubt sein muss, wer sich im Besitz des tatsächlichen Führungsanspruchs im Lande fühlt. Oder in Ihren Worten: Wer hier wen "ausnutzt".
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Arno Gassmann
ddmmyy
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