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Nachbetrachtung zum 1. Mai

Wussten Sie schon ... - Die Kolumne von Dr. Erich Siek - ...dass es zu Beginn des 20.Jahrhunderts in Neuenhagen einen starken sozialdemokratischen Ortsverband gab, der damals noch Ortsverein hieß. Neuenhagen hatte sich zu dieser Zeit zu einer großen Gemeinde von über 2000 Einwohnern entwickelt und besaß drei recht ansehnliche Betriebe: Eine Kachelfabrik auf dem Gelände des heutigen Gewerbehofs am Bahnübergang zum Rosa-Luxemburg-Damm, eine Ziegelei am Ende der Ziegelstraße und ein 1901 erbautes gemeindeeigenes Elektrizitätswerk schräg gegenüber vom heutigen Anbau zum Rathaus. In allen drei Betrieben arbeiteten politisch aktive sozialdemokratische Genossen.

Wussten Sie schon, dass es zu Beginn des 20.Jahrhunderts in Neuenhagen einen starken sozialdemokratischen Ortsverband gab, der damals noch Ortsverein hieß. Neuenhagen hatte sich zu dieser Zeit zu einer großen Gemeinde von über 2000 Einwohnern entwickelt und besaß drei recht ansehnliche Betriebe: Eine Kachelfabrik auf dem Gelände des heutigen Gewerbehofs am Bahnübergang zum Rosa-Luxemburg-Damm, eine Ziegelei am Ende der Ziegelstraße und ein 1901 erbautes gemeindeeigenes Elektrizitätswerk schräg gegenüber vom heutigen Anbau zum Rathaus. In allen drei Betrieben arbeiteten politisch aktive sozialdemokratische Genossen.

Im Jahre 1904 war der Ziegelarbeiter Johannes Hübscher nach Neuenhagen gezogen und wurde hier zum Ortsvorsitzenden des sozialdemokratischen Vereins gewählt. Im politischen Kampf ging es vor allem um die Abschaffung des berüchtigten Dreiklassenwahlrechts, um den Achtstundentag und um die Anerkennung des 1. Mai als Feiertag. Der Achtstundentag war die wichtigste Forderung. Die wöchentliche Arbeitszeit betrug in der Neuenhagener Ziegelei 60,5 Stunden, von Montag bis Freitag wurde von 6 – 19 Uhr gearbeitet mit zweistündiger Mittagspause, am Sonnabend von 6 – 12 Uhr und halbstündiger Pause. Die Arbeit in der Ziegelei war nicht nur äußerst schwer und anstrengend sondern war auch Saisonarbeit. Im Winter gab es nur die allernotwendigste Wartungs- und Reparaturtätigkeit. Die meisten Arbeiter mussten also im Winter „feiern“ ohne Anspruch auf irgendeine Unterstützung. Eine Arbeitslosenversicherung wurde erst 1927 eingeführt.

Im Frühjahr 1905 fassten die Belegschaften der Neuenhagener Betriebe erstmalig den Beschluss, am 1. Mai der Arbeit fernzubleiben. Sie trafen sich in der Nähe der Ziegelei und zogen über Elisenhof nach Altlandsberg, wo sich die dortigen Arbeiter der Demonstration anschlossen. Die anschließende Kundgebung verlief ohne Zwischenfälle, aber am nächsten Morgen waren die Werktore der Ziegelei verschlossen und die Arbeiter ausgesperrt. Der Unternehmer hatte die Maifeier zum Anlass genommen, seine Arbeiter auf die Straße zu setzen. Der Betrieb geriet kurz darauf aber in finanzielle Schwierigkeiten, da die Neuenhagener Tongruben erschöpft waren und es nicht profitbringend war, die Rohstoffe aus Freienwalde und Fürstenwalde heranzuschaffen. Die Fabrik ging wenig später pleite, und Neuenhagen verlor seinen damals größten Industriebetrieb.

So spiegelte sich in Neuenhagen kurz vor dem ersten Weltkrieg die Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung wider.

aus Ansichten - Aussichten, Mai 2012


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Lektüretipp

Wir empfehlen Euch die Lektüre  von " Das kurze Gedächtnis - Wie es wurde, was es ist - Splitter aus der deutschen Nachkriegsgeschichte" Gedanken von Kerstin Kaiser, Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau www.dielinke-neuenhagen.de/fileadmin/neuenhagen/Gedaechtnis.pdf