Geschenke erhalten die Freundschaft
Es ist doch einmal eine schöne Geste, in einer immer egoistischer werdenden Welt, wenn die reichste Frau Deutschlands der Partei der mächtigsten Frau der Welt ein kleines Geschenk macht. 230.000 Euro hat Sabine Klatten, geb. Quandt, dem Wahlverein der Bundeskanzlerin zukommen lassen. Weitere 460.000 Euro gaben ihr Bruder Stefan und ihre Mutter Johanna dazu. Macht in der Summe 690.000 Euro.
Nun ist die Familie Quandt nicht eben für dieselben Tugenden wie die Kanzlerin bekannt. Sie setzt und setzte sich aus umtriebigen UnternehmerInnen, Bonvivants und schneidigen Offizieren zusammen. Alles also Menschen, die in irgendeiner Form, im Guten wie im Schlechten, eines nicht zu ihrer Lebensmaxime gemacht hatten und haben: das Aussitzen.
Freilich kann man über die Entstehung des Quandt-Imperiums leicht ins Grübeln kommen, hat dafür doch der verstorbene Patriarch Günther Quandt mit dem Kauf der Varta-Werke den Grundstock gelegt. Varta wurde später ein Teil der AFA-Aktiengesellschaft, die unter anderem Akkumulatoren für die deutsche U-Boot-Flotte im 2. Weltkrieg lieferte. In den Betrieben der AFA schufteten neben ausländischen Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen auch Häftlinge aus Konzentrationslagern für Hitlers Wahn. In Hannover gehörten die Häftlinge zum Außenlager KZ Stöcken (Akkumulatorenwerke) des KZ Neuengamme. Das Lager bestand zwischen Juli 1943 und April 1945 direkt neben dem Werksgelände der Akkumulatorenfabrik. Herr Quandt sen. hatte quasi sein privates Konzentrationslager.
Doch das kann und will ich seinen Kindern nicht vorwerfen. Im Gegenteil halte ich Frau Klatten für eine mutige Frau, die sich, ohne Rücksicht auf familiere Komplikationen, einer Erpressung in Bezug auf ein außereheliches Verhältnis widersetzte und die Polizei einschaltete.
Überhaupt darf niemand für die Verfehlungen seiner Vorväter haftbar gemacht werden. Die Frage, wie man mit dem aus diesen erwachsenen Profit umzugehen habe, steht mir nicht zu, zu bewerten.
Was ich aber gerne bewerten möchte, ist der vorgeblich zufällige, in jedem Falle aber auffällige Drang der Quandts - ihres Zeichens heute Mehrheitseigner der BMW AG - just dieser Tage eine erstaunlich hohe Spende an die CDU weiterzureichen. Mutmaßlich geschehen mit Blick auf das erfolgreiche Wirken der Bundeskanzlerin, für die deutsche Automobilindustrie, gegen härtere EU-Auflagen bei der Abgasnorm.
Nun könnte man natürlich leicht argumentieren, so enfältig sind die Quandts nicht. Gerade jetzt eine Spende in veröffentlichungspflichtiger Höhe zu leisten und noch den unbedarftesten Dorfjournalisten mit der Nase draufzustoßen. Der Zeitpunkt also gerade ein eindeutiges Argument gegen eine käufliche Politik der Bundesregierung? Denn sicher wäre es auch in kleineren Tranchen und zu passenderen Zeitpunkten möglich gewesen, ohne großes Aufsehen zu erregen.
Nein, ich fürchte, so dumm sind die Quandts wirklich nicht. Denn wer steht im Moment im Mediengewitter dumm da? Die Quandts? Nein, allein die deutsche Regierungschefin. Die Großindustriellen hingen werden kaum angegriffen. Warum auch? Wenn es einen Zusammenhang zwischen Merkels Verhalten und der Parteispende gibt, so fällt dieser in Rubrik „business as usual“, etwas Alltägliches in einer kapitalistischen Gesellschaft. Doch sie tun mit dieser Spende, die der CDU sicher auch nutzen soll, noch etwas anderes. Nur wenig verblümt senden sie eine klare Botschaft aus: „Wir bestimmen mit, was die Politik tut. Und wir entscheiden wann und zu welchen Kondition wir dies tun. Auf die Befindlichkeiten, auch einer Bundeskanzlerin, müssen wir dabei keine Rücksicht nehmen.“
Das ist der eigentliche, der offensichtliche Skandal, hinter dem plakativen Aufmacher einer käuflichen deutschen Regierungspolitik.
Dr. Arno Gassmann
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Wir empfehlen Euch die Lektüre von " Das kurze Gedächtnis - Wie es wurde, was es ist - Splitter aus der deutschen Nachkriegsgeschichte" Gedanken von Kerstin Kaiser, Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau www.dielinke-neuenhagen.de/fileadmin/neuenhagen/Gedaechtnis.pdf
