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Gedanken zur Frauentagsrunde der LINKEN Neuenhagen

Heute wurde auch bei den Neuenhagener LINKEN der Internationalen Frauentag begangen. Zum ersten Mal dabei war unser neuestes Mitglied Julia Schlenker. Und es brachte sie mehr zum Nachdenken, als sie anfangs dachte.

Heute wurde auch bei den Neuenhagener LINKEN der Internationalen Frauentag begangen. Zum ersten Mal dabei war unser neuestes Mitglied Julia Schlenker. Und es brachte sie mehr zum Nachdenken, als sie anfangs dachte.

 

Um 10 Uhr trafen sich Genossinnen und Sympathisantinnen der LINKEN im Haus der Senioren, um gemeinsam den internationalen Frauentag wieder zu politisieren. Denn obwohl im Bundestag nun die Frauenquote beschlossen wurde, braucht es doch mehr als eine Quote, um zu einer echten Gleichstellung von Mann und Frau zu gelangen. Vielleicht müssten die Forderungen heutzutage sogar weiter gehen. So weit, dass wir einander als Menschen anerkennen. Wir brauchen einander keine Unterschiede zwischen Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft oder Religionszugehörigkeit zu benennen. Warum sollten wir uns Kriterien zur Beurteilung und Einordnung unserer Mitmenschen setzen? Muss das Schubladendenken nicht in Gänze aufhören, damit wir in Freiheit leben können?

 

Zum ersten Mal eine Frau an der Spitze

Zu Beginn der Frauentagsrunde gab es ein Gespräch mit der Vorsitzenden der Gemeindevertretung Neuenhagen: Ilka Goetz. Bisher hatten dieses Amt stets Männer inne, doch in dieser Wahlperiode schickte DIE LINKE mutig Ilka ins Rennen, die prompt im ersten Wahlgang als Vorsitzende der Gemeindevertretung (GVT) bestätigt wurde. Sie erläuterte uns, dass sie ob des eindeutigen Wahlergebnisses ziemlich überrascht war. Ilka war zwar zuvor Vorsitzende der Elternkonferenz des Einsteingymnasiums, aber in der Kommunalpolitik noch nicht in Erscheinung getreten. Sie sieht dieses Wahlergebnis als einen großen Vertrauensvorschuss. Die Zusammenarbeit mit ihren zwei Stellvertretern und dem Bürgermeister Henze funktioniere gut, auch wenn sie einige Einwürfe Henzes manchmal nicht einordnen könne, da sie die Historie zu einigen Sachverhalten nicht genau kennt. Da wisse sie aber mittlerweile, an wen sie sich innerhalb der Gemeinde wenden kann und holt sich Informationen ein, um abwiegen zu können, ob das eine oder andere Thema vielleicht doch noch einmal ausdiskutiert werden kann und muss. Wahrhaftiges Männer- oder Machogehabe habe sie aber bisher in ihrer politischen Arbeit in Neuenhagen noch nicht erlebt, auch wenn die Mehrheit der Gemeindevertreter Männer sind.

 

Erste Einschätzung der Arbeit in der GVT

Aber nicht nur frauenpolitische Themen wurden angesprochen, auch inhaltlich haben wir uns in diesem Gespräch mit der Neuenhagener Politik auseinandergesetzt. Zufrieden, wenn auch nicht glücklich, ist Ilka mit dem derzeit viel diskutierten Beschluss zur Einwohnerbeteiligungssatzung. Sie ließ die Schwierigkeiten mit dem anfangs alleinigen Antrag der Grünenfraktion nicht unerwähnt, denn ein erster Entwurf kam bereits während der Sommerpause auf den Tisch, wo andere Fraktionen noch in ihrer Findungsphase waren. Man hätte dieses Thema sensibler und gemeinschaftlicher angehen können. Eine gute Zusammenarbeit in den Fraktionen und Ausschüssen sei wichtig, um klare Entscheidungen der Gemeindevertretung herbeizuführen. Dies brauche genügend Vorlauf. Sie bewertete es aber als positiv, dass man in der GVT mittlerweile zu einem Miteinander gefunden hat.

 

Alle für die Trainierbahn

Auch die Wichtigkeit des Engagements von Bürgerinnen und Bürger hob sie hervor, da sich beim Thema „Trainierbahn“ gezeigt habe, dass die Gemeindevertreter den Bürgerwillen achten. Die Unterschriftenaktion, die Demonstration unmittelbar vor der GVT-Sitzung und der volle Saal bei der GVT-Sitzung habe nicht nur den Neuenhagener Politikern gezeigt, wie wichtig dieses Thema ist. Auch der anwesende Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger und die Presse haben das Miteinander in Neuenhagen aufgegriffen. Bleibt also abzuwarten, wie sich die Sache noch entwickelt.

 

Sexismus als gesamtgesellschaftliches Problem

Nachdem sich alle durch ausreichend Informationen aus der GVT und dem leckeren Speis & Trank entspannt zurücklehnten, wurden ein paar Kurzfilme zum Thema Geschlechtergerechtigkeit und Feminismus gezeigt. Neben einem Film über den Twitter-Hashtag #aufschrei und dem dazugehörigen Thema Alltagssexismus, sahen wir einen französischen Kurzfilm, der auch den Alltagssexismus aufgreift, aber die uns bekannten Rollenbilder kurzerhand vertauscht. Der Filmtitel lautet majorite oprimee (hier eine Version mit englischen Untertiteln). Es geht um einen Mann, der sich in einem klischeehaften Rollenbild ausgesetzt sieht: Er umsorgt das Kind, während Frauen ihm immer wieder sexistische Anspielungen an den Kopf werfen, ein Bekannter wurde von seiner Frau dazu gezwungen sich den Bart abzurasieren, sommerliche Bermudas werden als sexuell aufreizend empfunden und der Mann wird letztlich vergewaltigt. Von der Polizeibeamtin, die seine Anzeige aufnimmt, und seiner Freundin wird er dann sogar verhöhnt ... Der Film zeigt trotz oder vielleicht gerade aufgrund seiner skurrilen Art sehr deutlich, wie stark Sexismus und klischeehafte Rollenbilder unsere Gesellschaft prägen.

 

Ist die Anpassung an Klischees eine Erziehungssache?

Die Rede von Emma Watson über Geschlechtergerechtigkeit, die wir uns heute ebenfalls angeschaut haben, stimmt mich noch immer nachdenklich.

Wer mich kennt, weiß, dass ich mich nicht als Feministin bezeichne, auch wenn ich hin und wieder einen Drang zum Gendern verspüre. Lasse ich mich nicht als Feministin bezeichnen, weil der Begriff „Feminismus“ negativ behaftet ist? Ich – eine Feministin? Ich bin doch nicht Alice Schwarzer!

Ich interessiere mich schon seit ich denken kann für Technik, Webdesign und Computer. Ich habe durch meine Berufswahl mein Hobby zum Beruf gemacht. Bin ich eine Feministin? Oder bin ich eine Frau, die einfach nur anders ist als die Durchschnittsfrau? Eine, die aus der Reihe tanzt? Eine Frau, die durch ihr Praktikum im Pflegeheim zu der Überzeugung kam, keinen Pflegeberuf ausüben zu wollen? Eine Frau, die zwar gern mal auf Nachbars Kinder aufpasst, aber keine Erzieherin werden will? Und bin ich eigentlich gleichberechtigt? Lebe ich das, wofür viele Frauen ihr Leben lang kämpfen mussten?

Das erste Mal, dass ich in meinem Werdegang ganz bewusst mit dem Sexismus unserer Gesellschaft konfrontiert wurde, war in der Ausbildung. Da hatten wir den einen chauvinistischen Berufsschullehrer. „Ich mag dein Lächeln.“ war noch ein harmloser Flirtversuch. Als ich darauf nicht ansprang, wurde ich als „Zicke“ abgestempelt. Einige Male habe ich darauf hingewiesen, dass ich keine Zicke sei, aber ich wurde müde das zu betonen. Sollen andere doch von mir denken, was sie wollen, solang ich mit mir selbst im Reinen bin. Vielleicht ist das der falsche Weg, vielleicht bin ich genau deswegen eben keine Feministin, vielleicht hätte ich aufschreien müssen – aber was hätte es genützt in unserer Gesellschaft?

 

Frauenquote ist ein kleiner Schritt

Emma Watson dankte allen Menschen, die sich nicht durch klischeehafte Rollenbilder beeindrucken lassen und ruft auf, sich weiterhin dafür einzusetzen, dass Mädchen und Frauen gleiche Chancen wie Jungs und Männer erhalten. Auch wenn ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen denke, dass die Chancen in Deutschland durchaus vorhanden sind, so sehe ich auch Statistiken, die mich anderes glauben lassen. Ich denke, eine Frauenquote ist nicht das schlechteste Mittel, um eine wahrhaftige Gleichstellung zu ermöglichen. Man kann nur kleine Schritte gehen. Die beschlossene Quote bezieht sich allerdings nur auf Aufsichtsräte, nicht auf Vorstände. Bisher sind Frauen in Führungspositionen eher angepasst, gestikulieren maskulin, es wird ihnen Gefühlskälte empfohlen und so weiter. Wenn wir aber Frauen als Frauen in Führungspositionen annehmen oder nicht immer an dem bisherigen Schubladendenken kleben, wäre uns schon geholfen – aber wer findet nicht, dass ruhige, tiefe Stimmen kompetenter wirken als aufgeregte, hohe oder piepsige Stimmen? Auch Männer mit höheren Stimmen haben weniger Aussicht auf eine erfolgreiche Karriere. Wir müssen uns ändern, damit sich etwas ändert! Ich sehe eine Quote eher als den Fingerzeig auf das Problem. Eine Frauenquote allein wird aber nichts lösen. Sie gibt Frauen lediglich eine Chance, sich im Berufsleben verwirklichen zu können ohne sich zwingend zwischen Familie und Karriere entscheiden zu müssen. Denn am Ende des Arbeitslebens steht (möglicherweise) die Rente – da zeichnet sich ab, wer lang für seine Familie zuhause blieb und wer nicht ...

 

Wir waren einmal weiter

Eine 90-jährige Neuenhagenerin ergriff am Ende das Wort und meinte, sie habe selbst nie Sexismus erlebt. Eine Mittfünfzigerin hingegen erzählte von einer jungen Frau in einer Tischlerei, die von ihren männlichen Kollegen stets sexistische Anspielungen ertragen musste.

Am heutigen Tage fragt sich die eine oder andere sicher, wie es dazu kommen konnte, dass unsere Gesellschaft so rückschrittlich geworden ist, wo wir doch anscheinend schon einmal weiter waren …


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Lektüretipp

Wir empfehlen Euch die Lektüre  von " Das kurze Gedächtnis - Wie es wurde, was es ist - Splitter aus der deutschen Nachkriegsgeschichte" Gedanken von Kerstin Kaiser, Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau www.dielinke-neuenhagen.de/fileadmin/neuenhagen/Gedaechtnis.pdf