Eine schöne nachdenkliche Weihnachtsgeschichte 2015
Gastbeitrag vom Nachtwächter Altlandsberg, Horst Hildenbrand
Ein populäres, aber merkwürdiges Fest liegt vor uns.
Das Fest der Heiligen drei Könige.
Populär, weil jeder die kleinen Sternsinger kennt, die alljährlich durch die Häuser ziehen. Sogar das Kanzleramt wird traditionell jedes Jahr besucht.
20 C+M+B 16
Merkwürdig, weil es diese drei heiligen Könige nie gegeben hat.
Nun ja, das weiß ich aus der Bibel. Da steht nämlich im 2.Kapitel des Matthäus-Evangeliums: „ Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe da kamen „Magoi“ aus dem Morgenland nach Jerusalem…. so der griechische Urtext.
„Magoi“ kann aber niemals mit „König“ und schon gar nicht mit „heilig“ übersetzt werden. So übersetzte einst schon Martin Luther sehr klug: „siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland“
Es waren also Wissenschaftler, wenn es den Begriff damals schon gegeben hat; Gelehrte, die sich auf die Deutung der Vorgänge am Firmament verstanden, denn sie waren ja einem Stern gefolgt. Man darf annehmen, dass sie sich nicht nur in der Astronomie auskannten, sondern auch astrologisch gebildet waren. So hatten sie die Vision, dass in Jerusalem ein neuer König geboren sei, der die Welt verändern würde.
Erst die kirchliche Tradition machte im 5. Jahrhundert diese Weisen zu „Königen“ und damit zu Politikern. Höchstwahrscheinlich hätten die Sterndeuter, wären sie damals noch am Leben gewesen, sich vehement dagegen gewehrt. Denn Politiker gelten ja gemeinhin nicht als besonders weise. Natürlich hat das da auch schon mal seltene Ausnahmen gegeben. Aber wir sind alle weise genug, um zu wissen, dass dies die verbreitete Meinung des Volkes ist.
In der heutigen Zeit gehört viel Mut zur Politik, wenn man richtige Entscheidungen durchsetzen will, auch wenn sie unpopulär sind. Aber genauso gehört die Weitsicht und Entschlossenheit dazu.
Die Weisen aus dem Morgenlandhatten eine Vision. Sie folgten einem Stern und damit ihrer Überzeugung. , dass sie einem großen weltveränderten Ereignis auf der Spur sind. Viele werden sie belächelt, gar verhöhnt haben: Was soll den von Bethlehem, diesem Provinznest, schon Revolutionäres ausgehen? Die Weisen ließen sich aber nicht beirren und folgten ihrer Überzeugung. Diese sollte sich letztlich als richtig erweisen. Die Welt hat sich verändert; auch das kommende Jahr 2016 zählen wir „nach Christis Geburt“.
Man muss kein Hellseher sein, um zu wissen, dass wir im neuen Jahr auch Besuch aus dem Osten bekommen werden. Die Flüchtlingsströme aus Syrien, dem Irak, oder auch aus Osteuropa und Afrika werden weiter anschwellen. Wir sollten nicht nur menschlich und hilfsbereit, sondern auch weise mit diesen Menschen umgehen. Große Teile unserer Kultur sind schon vor langer Zeit aus dem Osten gekommen: die Astronomie, die Geometrie, die Rhetorik, die Religion. Es ist weise, wenn wir uns dies vor Augen halten. Auch heute können wir von Zuwanderern für die Zukunft profitieren. Wenn wir in Deutschland einen auch für zukünftige Generationen den Lebensstandard von heute halten wollen, dann braucht unser Land Zuwanderer: junge Menschen und gut ausgebildete Fachleute.
Vor 330 Jahren hat hier Preußen durch das sogenannte Toleranzedikt von Potsdam schon einmal eine weise Vorreiterrolle gespielt und seinerzeit die Hugenotten aufgenommen, die bis in die heutige Zeit unser Leben vielfältig positiv geprägt und angereichert haben.
Allerdings werden wir, nicht allein durch die Erinnerung an unsere Vergangenheit weise, sondern durch die Verantwortung für unsere Zukunft. Dies gilt im Übrigen nicht zuletzt auch für den Klimaschutz. Zukunft gestalten ist allerdings die Aufgabe von Politikern. Lasst uns gemeinsam hoffen, dass sie genau auch das tun mit Verantwortungsbewusstsein und Weitsicht. König muss man dafür nicht sein, auch kein Astrologe und schon gar kein Heiliger – ein bisschen „weise“ allerdings schon.
Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799, Mathematiker) hat einmal gesagt: „ Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser wird, wenn es anders wird, aber so viel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“
In diesem Sinne, ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, sowie ein friedvolles Jahr 2016 wünscht von ganzem Herzen
Horst Hildenbrand
Altlandsberg, Weihnachten 2015
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Lektüretipp
Wir empfehlen Euch die Lektüre von " Das kurze Gedächtnis - Wie es wurde, was es ist - Splitter aus der deutschen Nachkriegsgeschichte" Gedanken von Kerstin Kaiser, Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau www.dielinke-neuenhagen.de/fileadmin/neuenhagen/Gedaechtnis.pdf
