Ein kolossaler Fehleinkauf + 5 Kommentare
Nun ist klar: Der Besitzer der Galopprennbahn Hoppegarten Gerhard Schöningh zieht seine Kaufoption zur Neuenhagener Trainierbahn. Damit löst er nicht nur eine Welle der Enttäuschung und auch Entrüstung aus. Er begeht auch einen schweren Fehler.
Nun ist klar: Der Besitzer der Galopprennbahn Hoppegarten Gerhard Schöningh zieht seine Kaufoption zur Neuenhagener Trainierbahn. Damit löst er nicht nur eine Welle der Enttäuschung und auch Entrüstung aus. Er begeht auch einen schweren Fehler.
Es ist ein furchtbarer Moment. Große Anschaffungen mögen wohl überlegt sein und wenn dann irgendwann die Erkenntnis kommt, dass man dabei einen großen Fehler begangen hat, ist das mitunter sehr schmerzvoll. Nicht wenige würden das gegenüber anderen nie zugeben, es sich gar selbst schön reden. Man möchte Herrn Schöningh wirklich wünschen, dass er das nicht erleben muss. Doch dann hätte er mal lieber seine Finger von unserer Trainierbahn gelassen.
Die Party sollen andere zahlen
Seit gestern nun ist bekannt, dass er seine Kaufoption zieht und das Gelände kauft. Laut eigenen Angaben, will er nun „das Training von Rennpferden sichern“. Alles andere müsse sich dem unterordnen, ließ er schon einmal verkünden. Dabei lässt er gleich einmal durchblicken, dass er selbst gar nicht hier aktiv werden möchte. Einen Partner wolle er mit ins Boot holen. Übersetzt heißt das: Der Betrieb und das dafür nötige Geld soll gar nicht von ihm kommen. Er braucht die Trainierbahn Neuenhagen nicht. Er kann dafür aber prima Geld mit ihr machen.
Das alles ist eigentlich auch gar nicht verwunderlich. Schöningh besitzt schon eine Trainierbahn und die ist kaum zur Hälfte ausgelastet. Auch der Pferdesport an sich steckt in einer tiefen Krise ohne eine erkennbare Kehrtwende am Horizont. Die Zahlen kennen nur eine Richtung: Seit Jahren fallen der Umsatz und auch die Zuschauerzahlen. Auch der Dopingskandal bei Olympia hat nicht gerade für Vertrauen in den Sport gesorgt. Einzig in solch demokratischen Vorzeigeländern wie Saudi-Arabien werden noch Geldgeber vermutet. Deren Konzept: Pferd in Europa kaufen, vor Ort pflegen lassen und Gewinne bei den Wettbewerben einstreichen. So ein Scheich hält sich ja gerne mal wahlweise einen Fußballverein, eine Segelregatta oder eben ganz traditionsbewusst ein Pferd. Ob wir hier schon den „Partner“ vermuten dürfen?
Schatten aus der Vergangenheit
Die Trainierbahn ist das einzige Naherholungsgebiet für Neuenhagen. Ohne sie haben selbst unsere Hellersdorfer Nachbarn mehr Jogging- und Hunde-Gassi-Strecken als wir. Es sei ja Privaten unbenommen, dass sie investieren und wirtschaften, aber wenn das auf Kosten der Gesamtbevölkerung passiert, ist eine Grenze überschritten. Schöningh will die Zeit zurückdrehen, die letzten 70 Jahre ungeschehen machen und entscheidet ganz epochentypisch künftig als Gutsherr, was wir auf unserer einzigen grünen Oase machen dürfen.
Dabei spielt eine alte Liebe aus Wendezeiten eine entscheidende Rolle: Die Treuhand. Deren Nachfolgeorganisation hat das Gelände nun verkauft. Eigentlich galt das Vorkaufsrecht nur bis 1. April, aber unter Freunden ließen sich da wohl noch 14 Tage ranhängen. Ein Schelm, wer dazwischen einen der ertragreichsten Wochenenden der Galopprennbahn Hoppegarten wahrnehmen will. „25 Jahre Deutsch-Deutscher Renntag“ hieß es am Ostersonntag und die Kassen klingelten. Somit wohl auch so manche Liquidität. Dass hier eine staatliche Organisation mitspielt, ist mehr als erschütternd. Die Treuhand bleibt ein Desaster für den ganzen Osten!
Das Kapital hat künftig Priorität
Schöningh hat also nur das Geld im Blick und das allein ist Skandal genug. Die lokalen Akteure haben sehr deutlich gemacht, dass sie das Objekt nicht für eine Spekulationsmasse halten, sondern dass all ihr Herz daran hängt. Doch Schöningh schien das egal. Er ignorierte 5000 Unterschriften, seine <media 53589 - download "Leitet Dateidownload ein">Stellungnahme zum Grünordnungsplan</media> ließ tief blicken und sein dubioses Ping-Pong-Spiel mit der Denkmalschutzbehörde war alles andere als eine vertrauensbildende Maßnahme. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass nun alles anders werden soll: Wer jetzt schon von Prioritäten spricht, will den Grundsatz des Grünordnungsplans der Gemeinde - nämlich das Gemeinsame - in Frage stellen.
Ob es künftig dann überhaupt noch Freizeitreiten, Vogel- und Kräuterwanderung oder Walken gibt, wird dann von der „Unfallgefahr“ in Abhängigkeit gebracht. Ab wann die gilt, entscheidet nun alles. Und sollte zusätzlich ein lukratives Geschäftsmodell entwickelt werden, würden entsprechend angebotene Produkte stets den Vortritt für öffentlichen Interessen haben. „Wir müssen leider draußen bleiben“ werden dann nicht nur Hunde immer öfter lesen. Schöninghs blumige Worte sind nichts weiter als Augenwischerei.
Neuenhagen wird kämpfen
Er kann Mauern bauen und Zäune hochziehen, er kann mit Anwälten drohen und Verbotsschilder aufstellen. Die Herzen in der Region wird man so nicht erobern. Doch genau das bräuchte Schöningh. Ohne Verankerung wird hier kein Nutzungskonzept aufgehen. Die Gemeinde wird sich damit nicht schmücken, der Tourismusverband „Märkische S5-Region“ ebenso nicht. Wenn die hier Lebenden nicht zu einem guten Ruf beitragen, wird sich kein Nutzungskonzept auf Dauer halten lassen.
Schöningh hat sich gegen das Miteinander entschieden. Das wird nicht ohne Konsequenzen bei den Neuenhagenern bleiben. Seit vielen Jahrzehnten wird hier um jeden Millimeter gekämpft und das hört jetzt nicht einfach auf. Ihm mag rechtlich nun das Grundstück gehören. In Neuenhagen aber wird sich damit niemand zufrieden geben. Weil wir es eben nicht können. Es ist unser einziges Naherholungsgebiet und so werden auch künftige Generationen noch ihr Recht auf Natur einfordern.
Er kann sich die Erkenntnis über den Fehlkauf aber natürlich auch gerne ersparen. Und uns auch.
LESERMEINUNG
Sehr geehrter Herr Kindervater,
es wäre besser, Sie würden nicht so verbal Herrn Schöhning mit Unterstellungen kritisieren, sondern auch als Gemeindevertreter selbstkritisch genug sein und eingestehen, dass es für die Verantwortlichen der Gemeinde bisher sehr bequem war, die Trainierbahn als Naherholungsgebiet zu haben. Dadurch wurde jahrelang verabsäumt alternativ andere Flächen zu betrachten und zu entwickeln. Ich erinnere nur an die inzwischen leidige Diskussion zu einem Hunde-auslaufplatz.
Es wäre besser Sie tragen der Tatsache Rechnung, dass es sich bei der Trainierbahn um ein Privatgelände handelt. Es ist nicht hilfreich, Grundstückseigentümern bei der wirtschaftlichen Entwicklung, die im Übrigen auch Steuereinnahmen für die Gemeinde bedeutet, zu behindern. es wäre besser, statt zu meckern, Konzepte für ein gemeindliches Naherholungsgebiet zu entwickeln.
Eine ideologische gefärbte Sichtweise ist dafür jedenfalls nicht hilfreich und Klassenkampfankündigungen auch nicht.
Alfred Kuck
Sehr geehrter Herr Kuck,
als langjähriger und engagierter Nutzer unserer Seite wissen Sie, dass DIE LINKE in Neuenhagen, etwa durch Frau Dr. Schlutow und andere seit Jahren an dem Thema ununterbrochen dran ist. Bequem haben wir uns hier gar nichts gemacht. Sie wissen, wir sind damals im Kreis gescheitert, keine Sternstunde von Rot-Rot.
Ich muss mich darüber hinaus schon wundern, wie schnell Sie vergessen, dass auch Sie mal in Verantwortung waren. Als Schöningh die Kaufoption bekam, waren Sie Gemeindevertreter und nicht ich. Warum haben Sie damals keine Alternativen angeregt? Nun die Frage kann ich Ihnen beantworten: Weil es keine gibt.
Die Zupflasterung des kompletten Gruschewegs war bereits 1996 beschlossene Sache. Das Gewerbegebiet ist nun voll und auch hier lässt sich Zeit nicht zurückdrehen. Alle anderen Grundstücke der Gemeinde kommen nicht im Hauch an die Größe der Trainierbahn heran, selbst wenn wir in Bollensdorf Schwanenteichs umziehen lassen, fortan alles wegreißen und mit Wald und Wiese ersetzen würden.
Es gab nie eine Alternative, es gibt keine Alternative und es wird keine Alternative geben. Dass Sie hier einen Klassenkampf wittern, mag Ihren Lebenserfahrungen geschuldet sein. Für mich geht es hier um Neuenhagen und nichts anderes. Und zum Hinnehmen bin ich zu jung.
Sven Kindervater
Ja Herr Kindervater, so ist das wahre Leben, Kapitalismus pur. Geld regiert die Welt.
Stoltz G.
Diesem Artikel kann ich nun absolut nicht zustimmen.Man sollte nicht vergessen womit unter anderem Neuenhagen groß geworden ist-mit und durch den Pferdesport. Die ist eine Trainierbahn und das war und ist sie bis heute-nur leider nicht mehr auf dem einzigartigem Spitzenniveau was sich mit England und Frankreich auf Augenhöhe und sogar darüber befand. Das Argument das man "die letzten 70 Jahre ungeschehen machen möchte" ist ja nu totaler Quatsch-denn selbst in DDR-Zeiten fand dort ohne Probleme ein reger Trainingsbetrieb statt -und auch jetzt. Es wird jetzt -und gerade auch von den Grünen- so getan als ob Herr Schöningh ein Investor ist der dort eine Wohnsiedlung bauen oder alles betonieren will - davon ist ja wohl nicht die Rede. Statt froh zu sein das es jemanden gibt (ohne den auch die Rennbahn schon Geschichte wäre) der dort investiert werden erstmal eifrig Gesetze gestrickt um jegliche Handlungsfreiheit zu ersticken. Das Gebiet ist kein Schutzgebiet für Maikäfer und kein Hundeklo sondern eine Trainingsbahn für Pferde und das hat Vorrang !! Und was angeblich sinkende Zuschauerzahlen und Umsatz anbelangt-sollte sich die Linke mal die aktuellen Zahlen von Hoppegarten anschauen-mit steiger Tendenz aufwärts und inzwischen wieder auf dem 3. Platz deutschlandweit. Dialog wäre angebrachter als Verteufelung.
(Ohne Namen)
Sehr geehrte Dame /geehrter Herr ohne Namen,
Ich muss unsere Meinungsverschiedenheit nicht wiederholen, ich kann Ihre Sichtweise dennoch sehr gut nachvollziehen. Die Entwicklung der Hoppegartener Bahn ist von Ihnen richtig dargestellt. Allerdings bleibt, dass es dafür bereits jetzt schon genügend Trainingsfläche in Besitz von Schöningh gibt. Darüber hinaus gibt es aber noch einen gravierenden Unterschied zu DDR-Zeiten (und davor): Seit der Verdichtung im Gruscheweg, der den Älteren ja vielmehr als "Wiesenberg" bekannt ist, haben wir keine Alternative an Naherholungsgebieten. Natürlich könnte man jetzt diskutieren, ob das sinnvoll war, aber diese Würfel sind nun wahrlich gefallen. Gemeinden mit Hundeleinenpflicht müssen Auslaufplätze nachweisen können. Alles das steht mit der Zugänglichkeit zur Trainierbahn. Keiner tut so, als wären Wohnsiedlungen geplant, dennoch hat Schöningh schon einmal gezeigt, dass auf seinen Trainingsarealen in die Natur weitreichend eingegriffen wird, damit das Training besser erfolgen kann. Dagegen wird sich gewehrt. Ich bitte also, auch der Gegenseite nichts zu unterstellen. Wir verteufeln also nicht, sondern wissen sehr wohl, was auf uns zukommt.
Sven Kindervater
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Lektüretipp
Wir empfehlen Euch die Lektüre von " Das kurze Gedächtnis - Wie es wurde, was es ist - Splitter aus der deutschen Nachkriegsgeschichte" Gedanken von Kerstin Kaiser, Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau www.dielinke-neuenhagen.de/fileadmin/neuenhagen/Gedaechtnis.pdf
