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Der 1. Mai ist vorbei

Wenn Sie das Blatt in der Hand halten, liebe Leserin, lieber Leser, dann hat er schon stattgefunden der 1.Mai – oder auch nicht. Natürlich meine ich nicht das Datum sondern den „Internationalen Kampftag der Werktätigen“. Gibt es den noch bei uns in Neuenhagen? So, wie ihn Erich Siek in unserer Rubrik „Wussten sie schon?“ beschreibt auf alle Fälle nicht mehr.

von Werner Niebsch

Wenn Sie das Blatt in der Hand halten, liebe Leserin, lieber Leser, dann hat er schon stattgefunden der 1.Mai – oder auch nicht. Natürlich meine ich nicht das Datum sondern den „Internationalen Kampftag der Werktätigen“. Gibt es den noch bei uns in Neuenhagen? So, wie ihn Erich Siek in unserer Rubrik „Wussten sie schon?“ beschreibt auf alle Fälle nicht mehr. Im Kern sollte dieser Tag die Solidarität der Arbeiter, sagen wir zeitgemäß die Verbundenheit der abhängig Beschäftigten demonstrieren, ihren Zusammenhalt zum Ausdruck bringen, um die Chancen zu erhöhen, gerechte Entlohnungen und humane Arbeitsbedingungen durchzusetzen.

Was existiert davon noch? Ja, manchmal blitzt sie noch auf, die Solidarität. Gängige Praxis ist aber, dass jeder allein versucht sich durchzuboxen. Die Angst um den Arbeitsplatz ist übermächtig. Ich habe in dieser Republik zwar die Freiheit, Frau Merkel zu kritisieren, aber wehe, ich versuche diese Freiheit der Meinungsäußerung gegenüber meiner Chefin. Einen Betriebsrat zu gründen ist rechtens, aber risikoreich in einem kleineren Unternehmen.

Und wenn ich erst einmal von der Medienwelt so weit gebracht worden bin, die Gewerkschaft als Sand im Getriebe der Wirtschaft zu betrachten und meine Mitwirkung dort als für mich schädlich anzusehen, weil ich mich für arbeitsplatzvernichtende Forderungen einsetze, dann haben die gewonnen, die wirklich die Macht ausüben. Das sind jene, bei denen sich das Eigentum konzentriert und die sich einen Dreck um die im Grundgesetz verankerte Verpflichtungen des Eigentums für das Allgemeinwohl kümmern. 25% Rendite wollen sie, d.h. ihr Eigenkapital soll sich mit 25% verzinsen! Im BGB galt mal ein Zins von über 20% als sittenwidrig.

Wo bleibt die Empörung darüber? Ich denke, wir brauchen den 1.Mai noch. Wir sollten uns auf seinen Ursprung besinnen. Wir brauchen starke Gewerkschaften, und sollten uns nicht gegen sie aufbringen lassen. Starke Gewerkschaften und nicht Sparringspartner für Unternehmerverbände brauchen wir.

aus ANSICHTEN - AUSSICHTEN, Mai 2012


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Lektüretipp

Wir empfehlen Euch die Lektüre  von " Das kurze Gedächtnis - Wie es wurde, was es ist - Splitter aus der deutschen Nachkriegsgeschichte" Gedanken von Kerstin Kaiser, Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau www.dielinke-neuenhagen.de/fileadmin/neuenhagen/Gedaechtnis.pdf