Das Freilichtmuseum Altranft muss bleiben
- Ein Wort an Landrat Gernot Schmidt -
Ein Stück Brandenburgische Heimatgeschichte droht zu verschwinden. Das Freilichtmuseum Altranft steht weiter auf der Kippe.
- Ein Wort an Landrat Gernot Schmidt -
Ein Stück Brandenburgische Heimatgeschichte droht zu verschwinden. Das Freilichtmuseum Altranft steht weiter auf der Kippe. Zwar musste Landrat Gernot Schmidt (SPD) nach einer emotionalen Kreistagsdebatte die endgültige Schließung des Freilichtmuseums um ein Jahr verschieben. Jetzt soll jedoch zum Jahreswechsel 2015/16 ein Schlussstrich gezogen werden, den der Kreischef definitiv nicht mehr überschreiten will.
Für zehntausende Euro werden Expertisen eingekauft. Ein Sonderausschuss wird gebildet, eine Steuerungsgruppe eingesetzt. Alle interessierten Bürger werden zum Dialog geladen. Die Entscheidungshoheit bleibt unterdessen bei Landrat Schmidt. Es werden wohl sechs Termine in dieser Runde abgehalten, dann muss ein neues Konzept vorliegen. Freilichtmuseum muss Altranft nach dieser Frist freilich nicht mehr sein. Nach diesen sechs Expertenrunden muss in 2015 noch genügend Zeit bleiben, um eventuelle Erkenntnisse in Beschlüsse zu gießen. Im Oktober muss die geballte Kompetenz also in einen beschreibbaren Kompromiss überführt sein. Was ist das Ziel dieser Bemühungen? Das Freilichtmuseum mit seiner einmaligen Sammlung von historischen Geräten des Landbaus und des lokalen Handwerks soll sich „neu erfinden“. Worin sich allerdings eine Einrichtung, die unser gemeinsames Erbe hütet, in ihrer Substanz von einem Vergnügungspark zu unterscheiden hat, ist eine Frage, die in der bisherigen Debatte eher zu kurz kam.
Fachwissen gibt es in Altranft genug. Sowohl die Mitarbeiter wie auch dort angesiedelte Vereine wissen, was die Region an ihrem Freilichtmuseum hat. Es ist ein Eckpfeiler polnisch-deutscher Verständigung. Seine über Jahrzehnte gewachsene Sammlung repräsentiert die kulturelle Entwicklung unseres Oderbruchs. Seine jährlichen Sonderveranstaltungen sind Höhepunkte unseres kulturellen Lebens, die weit über die Region hinaus wirken. Altranft hat eine unumstößliche Existenzberechtigung. An ihm ein Exempel zu statuieren, wäre die leichtfertige Preisgabe nicht wiederbringbarer Identität für eine ganze Region.
Entscheiden kann das nur der Landrat. Herr Schmidt, ich bitte Sie darum, ein eindeutiges Zeichen für Erinnerung, Forschung und gegen das Vergessen in unserer Region zu setzen! Ohne unsere Geschichte aber werden wenigstens unsere Kinder für immer ärmer sein. Es muss einen Ort der Erinnerung geben. Wir alle werden sonst sein Fehlen bereuen. Der Wert von Kultur ist und bleibt keine nur an Einnahmen zu messende Größe. Kultur bewegt, Kultur ist Identität. Sie einmal aufzugeben ist ein politisches Statement: Wir brauchen keine Kultur, also werden wir auch keine haben.
Wer angesichts von Rücklagen im zweistelligen Millionenbereich so tut, als ob die Kultur im Kreis nicht finanzierbar wäre, sagt den Menschen nicht die Wahrheit.
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Lektüretipp
Wir empfehlen Euch die Lektüre von " Das kurze Gedächtnis - Wie es wurde, was es ist - Splitter aus der deutschen Nachkriegsgeschichte" Gedanken von Kerstin Kaiser, Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau www.dielinke-neuenhagen.de/fileadmin/neuenhagen/Gedaechtnis.pdf
