CDU macht den Gruscheweg sauber
In der Lokalpresse rief die örtliche CDU zum Saubermachen im Gruscheweg auf. Dem Ruf folgte auch DIE LINKE. Gemeinsam kam einiges zusammen – an Müll aber auch an Erkenntnis. Bericht über einen lehrreichen Arbeitseinsatz und eine mögliche Perspektive für den Park.
In der Lokalpresse rief die örtliche CDU zum Saubermachen im Gruscheweg auf. Dem Ruf folgte auch DIE LINKE. Gemeinsam kam einiges zusammen – an Müll aber auch an Erkenntnis. Bericht über einen lehrreichen Arbeitseinsatz und eine mögliche Perspektive für den Park.
Wer sich beschwert, soll auch mit anfassen. Ganz nach diesem Motto ist die Neuenhagener CDU-Ortsgruppe nun tätig geworden und hatte am vergangenen Samstag zum Frühjahrsputz im Park des Wohngebietes Gruscheweg aufgerufen. Zuvor hatte sich CDU-Mitglied Roland Beetz über die Zustände des Parks öffentlich beschwert.
„Es geht um Neuenhagen“, erneuerte CDU-Fraktionschefin Corinna Fritzsche-Schnick das Verständnis ihrer Kommunalpolitik. So freute man sich, dass auch Sven Kindervater und Julia Schlenker von den LINKEN mithalfen, das gemeinsame Agieren eine Selbstverständlichkeit für den Ort. Der eine Gruschwegianer seit seiner Kindheit, die andere Neu-Bollensdorferin seit Ostern. Von der CDU waren viele aus der Fraktion wie bspw. der ehem. Bürgermeister Klaus Ahrens oder auch die Nachwuchshoffnung Robert Czaplinski gekommen, aber auch weitere Mitglieder wie besagter Herr Beetz.
Wie die MOZ schon schrieb, waren leider keine Bewohner des Gebiets hinzugestoßen. Allerdings verschwieg sie, dass in dem von vielen Ex-Berlinern bewohnten Gebiet kaum einer die MOZ liest, in der zum Putz aufgerufen wurde.
Zu tun gab es reichlich. Mehr als ein Dutzend große blaue Säcke konnten innerhalb einer Stunde schon zusammengetragen werden. Denn bei einem hatte Herr Beetz nicht übertrieben: Um den Park steht es schlimm! Die vielen Hecken und Winkel offenbarten mitunter jahrealten Müll, durch Zuwuchs kaum noch zu erreichen. Einstiege Anlagen können nur noch erahnt werden, Brücken führen ins Nichts, Wege hören grundlos auf. Was auch immer einst das Konzept war, es wurde seit der Eröffnung 1997 weitestgehend ignoriert. Auch die vom Zerfall gezeichneten Bänke und Spielplätze bezeugen, dass es ihnen nicht erst seit gestern schlecht geht. Dieses Gebiet ist schlichtweg vergessen worden.
Natürlich kamen darüber die Beteiligten ins Gespräch. Für sie stand fest: Das Gelände braucht einen radikalen Neuanfang. Der ursprüngliche Gedanke, den Autobahnlärm mit abzuschirmen (die Lärmschutzwand kam erst 2004) und das Wohngebiet auch optisch ein stückweit abzugrenzen (1997 standen hier vier Reihenhäuser der Firma Zapf, der Rest war der Phantasie überlassen), ist überholt. Durch die Erweiterung muss hier zusammenwachsen, was zusammen gehört. Er muss der Park aller Bewohner werden, da sind hohe, verwilderte und blickdichte Hecken keine Option mehr. Da stimmte im Übrigen auch der vom Neubürgertreff vorbeischauende Bürgermeister Jürgen Henze zu. Auch das Wegesystem und die verschiedenen ursprünglichen Ideen bedürfen einer Neukonzeption. Einfach nur hübsch anmalen nützt hier gar nichts mehr, dafür hat und wird sich alles um den Park herum zu einschneidend verändern.
Es braucht aber noch etwas. Der Bürgermeister wusste zu berichten, dass sich vielerorts Patenschaften mit der Kommune gefunden haben. „Da machen wir dann einen gemeinsamen Vertrag. Es gibt Stellen im Ort, da sieht es ganz toll aus!“, weiß er zu berichten. Doch leider trifft das eben nicht auf den Gruscheweg zu. Ob es die zumeist Neu-Neuenhagener nicht gewohnt sind, sich um einen öffentlichen Park mit zu kümmern, viele vielleicht das erste Mal überhaupt einen Garten und so nicht unbedingt Lust auf noch mehr pflegeintensive Fläche haben, wäre spekulativ. Fakt ist aber auch: Offenkundig ist mit Mitteln der Gemeinde nicht alles zu leisten, denn der Bauhof leistet, was er leisten kann.
Wir haben es an vielen anderen Stellen schon gesagt und geschrieben: Neuenhagen gibt aus unserer Sicht keinen Cent zu viel aus. Wenn wir mehr in die Pflege unserer Parks investieren wollen, müssen wir entweder woanders einsparen, mehr Steuern abverlangen – oder mehr ehrenamtlich übertragen. Das ist keine wirklich schöne Debatte, aber so ist die Faktenlage. Dazu kommt: Die Geräteschuppen sind alle voll. Für meist wenige Quadratmeter Rasenfläche schlummern hochkomplexe Gartengeräte in den Schuppen der Gruschewegianer. Umso mehr mitmachen würden, desto weniger hätte ein jeder selbst wegzutragen.
Zum Abschluss vereinbarten alle, im Herbst erneut zu Harken, Handschuhen und Müllsäcken zu greifen. Herr Beetz und Herr Kindervater besprachen, dann auch mehr Bewohner ihres Kiezes zum Mitmachen motivieren zu wollen. Beide wollen durch die Überparteilichkeit auch den einen oder anderen Zweifler überzeugen, dass es sich nicht um eine PR-Nummer handelt. Der Gruscheweg ist Neuenhagen. Und ja, nur darum geht es.
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Lektüretipp
Wir empfehlen Euch die Lektüre von " Das kurze Gedächtnis - Wie es wurde, was es ist - Splitter aus der deutschen Nachkriegsgeschichte" Gedanken von Kerstin Kaiser, Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau www.dielinke-neuenhagen.de/fileadmin/neuenhagen/Gedaechtnis.pdf
