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Besonderes Interesse am Ausbau und Modernisierung der Eisenbahnstrecken mit der Republik Polen

Ein Bericht von Hartwig Wolff

Am 21. November 2007  fanden die 32. Internationalen Ostbrandenburger Verkehrsgespräche (IOVG) – das ist eine deutsch-polnische Gesprächsplattform seit 1999 -im Europäischen Wirtschaftszentrum der Stadt Kostrzyn (Oder) statt. Sie standen unter der Schirmherrschaft des Vizemarschalls der Wojewodschaft Lubuskie, Herrn Sebastian Ciemnoczolowski.                                                                                                                                     
Das Thema lautete: „Handlungsfelder grenzüberschreitender Eisenbahnverbindungen zwischen zwei Mitgliedsländern der Europäischen Union – ein Erfahrungsaustausch“.                                                                                            

Zielstellung der 32. IOVG war es, die Entwicklung seit den 26. IOVG im November 2006 aufzuzeigen, neue Konzepte und Produkte vorzustellen, auf entwicklungshemmende Tatsachen aufmerksam zu machen und Lösungen anzumahnen. Dabei geht es um Eisenbahnverbindungen zwischen den beiden Ländern und um die Ertüchtigung der Eisenbahnverbindungen zwischen der Wojewodschaft Lubuskie und Brandenburg/Berlin. Mit diesen zukunftsorientierten Themen sollen die Aktivitäten zur besseren Anbindung der Regionen an Berlin befördert werden.                                    

Von der positiven Außenhandelsentwicklung Deutschlands mit seinen östlichen Wirtschaftspartnern, insbesondere Polen, hat der Straßengüterverkehr in den vergangenen Jahren stärker profitiert als der Schienengüterverkehr.

 

Aus dem Statement der Industrie- und Handelskammer Frankfurt (Oder) zu den 32. Internationalen Ostbrandenburger Verkehrsgesprächen

Wirtschaft hat immer auch etwas mit Handel – mit dem Austausch von Waren zu – tun.

Die wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes östlich Berlins ist deshalb auch eng mit der Entwicklung der Eisenbahn verbunden.

Über Jahrhunderte hinweg waren die Flüsse die wichtigsten Transport- und Handelswege.

Erst durch den Bau der Eisenbahn entwickelten sich auch bis dahin abgelegene Regionen. Der Austausch von Waren aber auch von Personen erreichte eine neue Qualität.

Als wichtigste Verbindungen seien hier die heute schon mehrfach angesprochene Berlin-Stettiner-Eisenbahn (Eröffnung 1843), die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn (Berlin-Frankfurt(Oder)-Bunzlau) (Eröffnung 1846) und die Königlich Preußische Ostbahn (Berlin-Landsberg-Königsberg) (Eröffnung 1857) genannt.

Mit der Aufnahme der Verbindungen wuchsen die Städte und Regionen entlang der Strecken  zusammen.

Heute gut 150 Jahre später sind es im Wesentlichen wieder diese drei Eisenbahnstrecken, die im Mittelpunkt der Diskussion über grenzüberschreitende Eisenbahnverbindungen zwischen Polen und Brandenburg bzw. Deutschland stehen.

Dabei – und auch das haben wir heute schon mehrfach gehört – sind Polen und Brandenburg nicht in erster Linie Quell bzw. Ziel dieser Verkehre sondern sind Bestandteil der großen Transeuropäischen Netze.

Seit 2004 gehört Polen auch der Europäischen Union an. Nicht erst seit diesem Zeitpunkt floriert der Handel zwischen den Ländern. Die Außenhandelsumsätze zwischen Polen und Deutschland aber auch zwischen Polen und Brandenburg wachsen seit Jahren kontinuierlich. Die Wirtschaft wächst über die Grenzen hinweg zusammen und entwickelt sich zum gegenseitigen Vorteil.

Bei ausländischen Touristen in Brandenburg stellen die Besucher aus Polen mittlerweile die zweitgrößte Gruppe (nach den Niederländern), und auch auf der deutschen Seite ist das Interesse an Polens Landschaft- und Kultur groß.

Aber wie vor 150 Jahren ist für den Austausch von Waren und Gütern eine funktionierende Infrastruktur nötig.

Und gerade in den Eisenbahnverbindungen schlummert derzeit noch viel ungenutztes Potenzial.

Es wird eine funktionierende, eine leistungsfähige, eine attraktive Infrastruktur benötigt und das sind die Schienenverbindungen zwischen Polen und Brandenburg heute leider noch nicht.

Da gilt es neue Gleise und Brücken zu bauen, Reisezeiten zu verkürzen, Anschlussverbindungen zu optimieren. Wenn uns aber gelingt, wie bei der Ostbahn alle Interessierten grenzüberschreitend an einen Tisch zu bekommen und gemeinsam Pläne und Forderungen zu formulieren, besteht die großartige Chance eine Renaissance der Eisenbahnverkehre und damit verbunden den „gemeinsamen“ Fortschritt zu erleben.

Wir plädieren deshalb dafür die komplexen Entwicklungserfordernisse im Auge zu haben, aber zugleich eine Konzentration auf Schlüsselprojekte vorzunehmen. Die Ostbahn ist aus unserer Sicht ein solches Schlüsselprojekt! Es gibt einen regionalen Konsens auf beiden Seiten. Und es gibt eine konkrete Nachfrage für Personenverkehr auf dieser Strecke  Bei einer intelligenten Anbindung an den Flughafen BBI in Schönefeld, rückt nicht nur der Brandenburger Osten, sondern auch der Nordwesten Polens näher an das Tor in die Welt und umgekehrt werden u.a. Berliner und Brandenburger nach Polen z.B. in die Ostseegebiete streben.                                                                                                      
In den grenzüberschreitenden Eisenbahnverbindungen liegt das Potenzial, das Zusammenwachsen Polens und Deutschlands zu beschleunigen, Verkehre ökologisch verträglicher abzuwickeln und nicht zuletzt die Menschen zueinander zu bringen. Gerade vor dem Hintergrund des Wegfalls der Personenkontrollen an der deutsch-polnischen Grenze in wenigen Wochen, aber auch der Aufhebung der Beschränkungen bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit sowie den Problemen der Fachkräftesicherung beiderseits der Oder sollte dieses Potenzial nicht ungenutzt bleiben.

                                                                                    
Es bleibt also dabei Zukunft mit Tradition oder Zukunft aus Tradition.

Herzliche Begrüßung während des Aufenthalts von OK1-359 während der Traditionsfahrt am 29.09.2007 auf dem Bahnhof in Witnica

Hier noch ein Hinweis auf einen Artikel in der MOZ zu einem Strategieworkshop zur Zukunft der Eisenbahnverbindung, die durch Märkisch-Oderland und den polnischen Nachbarlandkreis Gorzowski führt:

Deutsche Bahn will Tempo 120 bis Küstrin




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Lektüretipp

Wir empfehlen Euch die Lektüre  von " Das kurze Gedächtnis - Wie es wurde, was es ist - Splitter aus der deutschen Nachkriegsgeschichte" Gedanken von Kerstin Kaiser, Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau www.dielinke-neuenhagen.de/fileadmin/neuenhagen/Gedaechtnis.pdf