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Besinnliches zwischen Morgen- und Abendland

Deutschland und die Türkei:
Sonne und Meer, preiswerte Hotels, brechendvolle Buffets, dienstbeflissenen Kellner – das Urlaubsbild von Pensionären, Rentnern im Winter, von jungen Familien im Sommer. Doch bald werden nicht nur Neckermann und Öger ihr Geld an den Deutschen verdienen, sondern auch die deutsche und US-amerikanische Waffenindustrie, die nun endlich ihre „Verteidigungsgeräte“ entlang der 822 km langen Grenze der Türkei zu Syrien stationieren dürfen. Weiteres „Grenzpotential“ von 499 km zum Iran und 352 km zum Irak wartet auf Nutzung!

Die Verlegung von zwei der insgesamt sechs Patriotsstaffeln von Mecklenburg-Vorpommern in die Türkei erfolgt nun nach Zustimmung aller bürgerlichen Parteien im Bundestag und mit Gegenstimme der Linksfraktion in den nächsten Wochen. Während der Vortrupp schon das Gelände in der Türkei sondiert, dürfen die fast 400 Soldaten der deutschen Patriotsstaffeln Weihnachten noch bei ihren Familien verbringen. Welche Fürsorglichkeit der Bundesregierung!
Dann werden die Soldaten nunmehr die „Freiheit“ nicht nur am Hindukusch, sondern auch in der türkischen Stadt „Kahramanmaraş“, 100 km nördlich der syrischen Grenze, verteidigen.
Die Stadt mit ihren Häusern an einem großen Berghang mit etwa einer Million Einwohnern, großen Moscheen, einer islamischen Universität, tat sich 1978 durch Pogrome an Aleviten hervor, deren Urheber bis heute nicht verurteilt wurden, und ist auch weltbekannt durch das spezielle türkische „Mado-Eis“. Ob die deutschen Freiheitsverteidiger Zeit finden werden, als Christen des Abendlandes unter den Sunniten des Morgenlandes sich diesen Genuss zu gönnen?
Im Buch „Anatolien, Du Schöne“, ist über die Stadt Ausführlicheres zu lesen. (<media 36848 - download "Leitet Dateidownload ein">Link zu Kahraman Maraş</media>)

Doch die Stationierung von „Verteidigungsraketen“ ist nicht die einzige Vorbereitung einer Intervention:
Anfang Dezember hat der amerikanische Flugzeugträger USS Eisenhower, der ein Geschwader von acht Jagdbombern und eine Besatzung von 8.000 Soldaten umfasst, unangekündigt Stellung vor der syrischen Küste bezogen, wie das Update einer Marine-Karte (5.12.2012) und ein Bericht der russischen Nachrichtenseite RT zeigen. Außerdem soll sich auch ein amphibisches Kriegsschiff dort befinden

Ab Mitte Januar sollen die „Verteidigungsraketen“ einsetzbar sein.
(Link zu www.n-tv.de/politik/dossier/Was-die-Patriots-koennen-article9686481.html)

Zur Beruhigung der Welt versichert die Nato, daß es keine Unterstützung für eine Flugverbotszone oder eine andere offensive Operation geben soll. Ziel sei einzig und allein, mögliche Gefahren für die Türkei abzuwenden, die türkische Bevölkerung und das Land zu schützen und eine Deeskalation der Krise an der süd-östlichen Grenze der NATO herbeizuführen.
Die Abwehrraketen sollen vor allem gegen syrische Scud-B-Raketen gerichtet sein, die in der Sowjetunion hergestellt worden sind. Ihre Reichweite beträgt 400 bis 700 Kilometer. Sie könnten mit konventionellen Sprengköpfen oder auch mit chemischen oder biologischen Waffen bestückt werden.
Bisher keine Tatsache, sondern „nur“ Spekulation!

Die Patriotssysteme sind per Kabel oder Funk miteinander vernetzt. Der Mann, der den Abschussknopf drückt, sitzt aber nicht etwa in der Türkei, die sich ja angeblich bedroht fühlt und sich verteidigen möchte, sondern im Nato-Luftwaffenkommando im deutschen Ramstein in Rheinland-Pfalz weit entfernt vom „Verteidigungsort“!
Eine naheliegende türkische Befehlsgewalt über die "Patriot"-Raketen, wie der unbedarfte Laie denken würde, steht überhaupt nicht zur Debatte!
Das Luftwaffenkommando der Nato in Ramstein wird von US-General Philip M. Breedlove und vom Europa-Oberkommandeur US-Admiral James Stavridis befehligt. Die oberste Kontrolle liegt beim Nato-Rat der 28 Bündnisstaaten!

Doch wozu der ganze Aufwand?
Die Regierung in Ankara unterbreitete erst kürzlich in Moskau einen Vorschlag, wie ein friedlicher Übergang in Syrien nach dem Rückzug der Assad-Regierung gestaltet werden könnte. Die Türkei geht nämlich davon aus, daß Präsident Bashar al-Assad bis zum März 2013 zurücktritt und die syrische „Nationale Koalition“ die Macht übernimmt.
Ein türkisches Spiel mit zwei Feuern? Oder stecken dahinter ganz andere, handfeste amerikanische Interessen, in der die Türkei nur die Rolle des Buttlers spielt?
Denn ein „befriedetes“ und pro-westliches Syrien brächte dem amerikanischen Kapital das iranische Erdöl greifbar an seine Einflusssphäre. Und gegen mögliche iranische Raketen wären dann die Patriots in der Türkei schon längst installiert!
Ein Schelm, der Arges dabei denkt!

Trotzdem:
Verlieren wir nicht die Hoffnung auf ein „weltkriegfreies“ Jahr 2013!


Heinz Scharf


mehr über den Autor steht in der MOZ vom 24.12.2012 geschrieben
(http://www.moz.de/heimat/lokalredaktionen/strausberg/artikel8/dg/0/1/1078719/)

ddmmyy


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Lektüretipp

Wir empfehlen Euch die Lektüre  von " Das kurze Gedächtnis - Wie es wurde, was es ist - Splitter aus der deutschen Nachkriegsgeschichte" Gedanken von Kerstin Kaiser, Leiterin des Büros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Moskau www.dielinke-neuenhagen.de/fileadmin/neuenhagen/Gedaechtnis.pdf