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Sven Kindervater

Vogelsänger will mehr Wild zum Abschuss freigeben – Jäger sprechen von Ausrottung + 2 Kommentare

Der Forstminister Vogelsänger hat dieser Tage ein neue Parole herausgegeben: Weil zu viele Jungbäume durch Wildverbiss geschädigt sind, soll nun deutlich mehr Wild geschossen werden. Dabei scheint es vor allem um die Senkung von Kosten zu gehen.

Der Forstminister Vogelsänger hat dieser Tage ein neue Parole herausgegeben: Weil zu viele Jungbäume durch Wildverbiss geschädigt sind, soll nun deutlich mehr Wild geschossen werden. Dabei scheint es vor allem um die Senkung von Kosten zu gehen.

 

Brandenburgs Wälder sind, so ist das heutzutage üblich, fast flächendeckend bewirtschaftet. Das bedeutet, dass hier wenig dem Zufall überlassen wird und mit den Gebieten durchaus Geld gemacht wird. Den besitzlosen, sich selbst überlassenen Wald, gibt es im Prinzip nicht mehr. Auch die im Wald lebenden Tiere werden so gut es geht beobachtet – und mitunter umgesiedelt oder getötet.

 

Ein Neuer im Revier

Der Konflikt zwischen Waldwirtschaft und Naturschutz ist vorprogrammiert. Doch über die Jahrhunderte hat sich viel Verständnis verbreitet und die Debatten zwischen den Lagern sind häufig sehr spezifisch und konkret. Dieser Tage scheinen sich beide noch einmal näher, denn eine neuer Akteur tritt verstärkt in ihr Revier: Der Politiker.

Konkret ist es Forstminister Jörg Vogelsänger (SPD), der nebenbei auch Landtagsabgeordneter ist und hier in Neuenhagen direkt gewählt. Er forderte nun einen erhöhten Abschuss von Wild. Hintergrund ist die Strategie des Landes, die Wälder zu verjüngen. Da dies eben nicht der Natur überlassen wird, wird künstlich und kostenintensiv nachgepflanzt. Für viele Tiere ist das eine Freude, denn gerade Wild knabbert wohl gerne an den jungen, frischen Rinden. Das tut es aber nicht erst seit gestern und es gibt viele Möglichkeiten, die jungen Bäume zu schützen.

 

Abschuss statt Zäune

In den allermeisten Fällen werden Zäune um die Bäume herumgezogen. Doch das ist kostspielig. Vogelsängers Ministerium lässt nun verlauten, dass man stattdessen den Wildbestand drastisch verkleinern will – sprich: es zum Abschuss freizugeben. Dabei kann das Fleisch noch obendrein verkauft werden und das Land hat statt Kosten unterm Strich eventuell sogar noch Einnahmen. Auffällig ist, dass hier Flora wie Fauna behandelt werden, als würde es sich um Straßen oder Laternen handeln. Doch das ist nicht die einzige Kritik.

Selbst einigen Jägern geht es nun zu weit. Sie sprechen gegenüber der Märkischen-Oderzeitung von „Ausrottung“. Sie berichten, wie sich das Verhalten der Tiere schon spürbar verändert hat und diese sich nur noch zu tiefsten Nachtzeiten auf Futtersuche trauen. Dem Enkel das Rehkitz auf dem Feld zu zeigen, dürfte dieser Tage also wohl kaum noch möglich sein. Andere ergänzen, dass das auch nicht ganz zum Konzept der Neuansiedlung der Wölfe passen kann. Nimmt man ihnen das Wild, braucht man nicht lange auf noch mehr klagende SchäferInnen warten.

 

Wahre Stärke ist gefragt

Am Ende zeigt sich: Ökologie und Ökonomie vertragen sich nur bedingt. Den Eingriff des Menschen in die Natur gibt es seit vielen Jahrtausenden, aber gerade in den letzten Jahrzehnten rühmte man sich immer der eigenen Aufgeklärtheit, wendete sich ab etwa von der Begradigung von Flußbecken oder bekämpfte fälschlich eingeführte Tiere ohne natürlichen Feind. Doch wenn die Ökonomie einmal ihre Zwänge packt, hat die Ökologie wohl das Nachsehen.

Vielleicht hat das Forstministerium einfach nicht genug Geld und ist einfach hilflos. Vielleicht haben wir es mit einem Eingriff aufgrund eines Eingriffs aufgrund eines Eingriffs zu tun. Das alles ändert aber nichts daran, dass neben dem Wolf auch das Wild zu Brandenburgs Wäldern gehört. Es braucht eine neue Strategie. Ausrottung von zur Nachtfuttersuche verdammten Tieren kann keine Antwort sein. Manchmal ist es eben auch Stärke, wenn ein Minister nicht krampfhaft versucht, ein Problem zu lösen. Manchmal ist es Stärke zu sagen, dass man etwas mit mehr Unterstützung einfach nicht lösen kann.

 

Weitere Artikel:

Land will Wildbestände deutlich senken
Harriet Stürmer | Märkische Oderzeitung

Lesermeinung

Wenn sich Wild so stark reproduziert wird es schon zu stark bejagt. Vieleicht sollte man das mal in Erwägung ziehen. Was kommt nach der Dezimierung? Das Schießen geht weiter. Weniger in BER stecken, dafür Zäune bauen. Oder statt Lehrer zu verbeamten lieber den Nichtbeamten den gleichen Lohn zahlen, da fliesst wenigstens was an Steuern und Sozialabgaben zurück, dass man dafür nehmen könnte. Statt 220 Millionen Landesmittel für die von Vattelfall ausgebaggerten Kohlengruben zu sanieren, lieber Zaüne bauen. Wer die Profite einsteckt, soll auch wieder die Natur zurückbringen. Das ist auch die Privatisierung der Gewinne und die Verstaatlichung der Verluste. Schade Rot-Rot.

R. Eichstädt


Sehr geehrter Herr Eichstädt,

offenkundig haben die Zäune innerhalb des Landeshaushalts nicht genügend Priorität. Offenkundig gibt es auch viele Bereiche, in der sich DIE LINKE nicht gegen ihren Koalitionspartner hat durchsetzen können. Ich muss das leider immer dazusagen, da wir bei der letzten Landtagswahl geschwächt wurden - womöglich zurecht? Ob andere Parteien sich besser gegen die SPD durchsetzen könnten, weiß ich nicht. Vor dem BER-Desaster haben wir schon in den frühen 90ern gewarnt, für einen Baustopp und womöglich Abriss ist niemand zu begeistern. Daher bleibt nur ein Weitermachen - auch aus meiner Sicht wider der Vernunft. Bei den LehrerInnen möchten wir beides: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit und die Möglichkeit der Verbeamtung. Bei Vattenfall haben wir keinen Dissenz, alle wissen, dass die Brandenburger SPD eine Kohlepartei ist und auf dem Gebiet unbelehrbar. Dass Gewinne aus der Natur auch in diese zu fließen haben, ist nachvollziehbar. Man muss sich aber auch immer fragen, ob die SPD irgendwelche Zeichen bekommt, dass sie sich ändern soll. Uns gegenüber macht sie ziemlich oft deutlich, dass das nicht passiert und dementsprechend arrogant ist auch ihr Stil. Wir nehmen Ihr Schreiben sehr ernst und können nur weiterhin versuchen, mit Vernunft und öffentlichem Druck die SPD zu bewegen.

Sven Kindervater


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