Antwort auf einen Kommentar
Am 12. September erreichte uns ein Kommentar zum Beitrag "Aktuelles Argument - Schwarz-Rote Seifenblasen? Oder doch lieber richtig sozial?", auf den wir kurz vor der Landtagswahl leider nicht mehr antworten konnten.
Jetzt reichen wir eine Antwort nach, die an Aktualität sicher nichts eingebüßt hat...
Sehr geehrter Herr Naumann,
ich habe mir bewusst einige Zeit gelassen, um Ihnen zu antworten.
Zunächst möchte ich mich bei Ihnen für die offenen Worte bedanken. Ich kann Ihre Entscheidung respektieren und sicherlich zeigt uns das Wahlergebnis, dass Sie nicht alleine so gedacht haben.
Ich glaube, Sie haben Recht in dem, was Sie schreiben. Unser Fehler war, dass wir unsere Arbeit schlichtweg anders wahrgenommen haben. Für uns war es ein Erfolg, die SPD davon zu überzeugen, mehr Lehrer als ursprünglich geplant einzustellen. Für uns war es ein Erfolg, die SPD soweit es geht von der Braunkohle zu lösen. Für uns war es ein Erfolg, die SPD von einem Nachtflugverbot zu überzeugen.
Aber alles das bringt Ihnen in Ihrem Alltag herzlich wenig. Wenn dennoch zu wenig Lehrer da sind, wenn dennoch die Qualität abnimmt. Wenn dennoch abgebaggert wird. Vielleicht haben Sie verfolgt, wie einige von uns nach den Wahlen meinten, wir hätten das alles auch, ja fast schon gebetsmühlenartig, der SPD immer und immer wieder gesagt. Allein sie wollte nur selten hören. Und so empfanden wir Erfolge. Erfolge gegenüber der SPD, doch sind diese noch lange keine Erfolge fürs Land.
Auch möchte ich kritisch ergänzen, dass wir sehr häufig Kompromisse verteidigt und es so dargestellt haben, als hätte nichts besseres passieren können. Aus Angst, sonst unseriös zu wirken. Das war falsch. Ich spreche auch deshalb immer von "wir", weil hier keine Einzelpersonen falsch gehandelt haben, sondern wir kollektiv diese Fehler begangen haben. Ich möchte aber auch deshalb vom "wir" sprechen, wenn ich sage: Wir waren, sind und werden gegen Braunkohle sein, für genügend gute Lehrer, für bessere Ausbildungen, etc. Wir haben aber als Partei schlichtweg vergessen, außerhalb der Regierungsbank weiterhin Politik zu betreiben, weil wir mit dem Regieren so beschäftigt, ja vielleicht so überfordert waren. Letztlich haben auch wir uns den Druck gemacht, ansonsten wieder der CDU beim Regieren zugucken zu müssen. Vielleicht haben wir uns zu sehr damit unter Druck setzen lassen.
So möchte ich nur zwei kleine Dinge klarstellen: Neuenhagen hat sehr wohl eine Oberschule, derzeit am Schäferplatz, ab demnächst in der Ziegelstraße. Auch wenn diese keinen guten Ruf hat, folgende beeindruckende Zahl: 95% der abgehenden Zehntklässler bekommen im Anschluss einen Ausbildungsplatz. Und das, obwohl an diese Schule gerne Schüler geschickt werden, die anderswo längst abgeschrieben sind. Und das Gymnasium soll wenige hundert Meter vom jetzigen Standpunkt vielleicht neu errichtet werden, weil wir modern sein wollen und es dafür auch den Nötigen Platz braucht. Eine Schule mit 800 Schülern muss eine Aula haben, die mehr als die derzeit 130 Schüler aufnehmen kann. Sie braucht bei der Masse einen größeren Hof, als derzeit. Und sie braucht einen funktionierenden Brandschutz, welcher im derzeitigen Gebäude nicht mehr erreicht werden kann und der nur akzeptiert wird, weil die Schule schon so alt ist. Bitte glauben Sie mir: Wir haben alle Standorte überprüft, aber wenn wir ein zukunftsfähiges Gymnasium haben wollen, dann brauchen wir diesen Neubau wenige Meter neben dem S-Bahnhof Hoppegarten.
Abschließend ein paar wenige aktuelle Entwicklungen im Ringen mit der SPD: Es soll in den nächsten vier Jahren 200 Mio € in die Kommunen investiert werden - darunter kann explizit ein Neubau eines Gymnasiums fallen. Des Weiteren wird der Betreuungsschlüssel in den Kitas bei den bis Dreijährigen in den nächsten Jahren auf 1:5 gesenkt und bei den 3 bis 6-jährigen auf 1:11. Brandenburgs Schulen bekommen mehr Sozialarbeiter. Dazu wird das 510-Stellen-Programm in Größenordnungen aufgestockt: 100 Stellen mehr sind jetzt geplant auf dann 610. Die SPD wollte das Programm vor der Wahl noch streichen. Und: 4300 neue Lehrer wird es für Brandenburg in den nächsten Jahren geben – eine große Anzahl davon zusätzlich zu den altersbedingt gehenden. Die SPD forderte zur Wahl 3500, wir 4400 - der Kompromiss kann sich sehen lassen. Längeres gemeinsames Lernen auch in der Schule wird möglich: Schulen können sich zusammenschließen – nicht durch Verordnung von oben, sondern durch Impulse aus der Region. Diese Schulzentren sollen von unten wachsen, die Landesregierung wird dafür die gesetzlichen Voraussetzungen schaffen, wenn es von den Eltern, Lehrern und Schulträgern gewollt ist.
Natürlich muss man nun sehen, was davon wirklich in der konkreten Situation nützt. Sicherlich sind das alles Erfolge zunächst einmal gegenüber der SPD. Und auch wenn wir dieses Mal nicht mehr Ihr Vertrauen bekommen haben Herr Naumann, so hoffe ich dennoch, es eines Tages zurückgewinnen zu können. Wir werden uns auch in Neuenhagen Gedanken machen, wie wir stärker gemeinsam Teil dieser Regierung werden können und wie wir viel eher mitbekommen und aufnehmen können, wenn etwas nicht mehr läuft.
Ich bedanke mich fürs Lesen.
Mit freundlichem Gruß
Sven Kindervater
ddmmyy
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